Diese duftende Kletterpflanze erobert Ihren Garten schneller als gedacht

Betörender Duft mit gefährlicher Schattenseite

Der Duft ist verführerisch, süßlich, geradezu hypnotisierend. Anfangs wirkt diese sich windende Rankpflanze wie der perfekte Gartenbegleiter: cremeweise und gelbe Trompetenblüten, üppige Blütenpracht, angenehmer Schatten auf der Terrasse. Vielleicht haben Sie sie als kleines Töpfchen geschenkt bekommen oder im Gartencenter unter der harmlos klingenden Bezeichnung „duftende Kletterpflanze“ entdeckt. Doch binnen weniger Jahre taucht sie plötzlich überall auf – sogar in den Bäumen der Nachbarn.

Diese attraktive Unbekannte hat einen Namen: das Japanische Geißblatt, botanisch Lonicera japonica, eine Liane aus der Familie der Caprifoliaceae mit Ursprung in Ostasien. Obwohl häufig als Zierpflanze für Mauern und Zäune verkauft, gilt diese duftende Kletterpflanze in zahlreichen Ländern als invasiv und hat sich bereits in mehreren französischen Regionen etabliert. Ihr betörender Duft lässt ihre Wuchskraft vergessen – dabei verwandelt ein einziges Exemplar innerhalb weniger Saisons einen Garten in einen undurchdringlichen Dschungel.

Japanisches Geißblatt: Der duftende Favorit aller Hobbygärtner

Im Garten verhält sich das Japanische Geißblatt wie eine echte Kletterpflanze: Seine verholzenden Triebe erreichen mühelos mehrere Meter Länge und umschlingen jeden verfügbaren Halt. Das oft halbimmergrüne Laub bildet rasch einen grünen Sichtschutz, der Zäune und Gartenhäuschen verschwinden lässt. Die gegenständigen, ovalen Blätter zeigen sich in mittelgrüner Färbung und bleiben in klimatisch milden Gegenden einen Großteil des Winters sichtbar.

Seine röhrenförmigen Blüten, zuerst weiß und später gelb, parfümieren die Luft vom Frühjahr bis zum Spätsommer. Zahlreiche Gartenbesitzer pflanzen sie bewusst neben Terrassen oder Fenstern, um diesen Wohlgeruch zu genießen. Die weit verbreitete Sorte ‚Halliana‘ bedeckt innerhalb kürzester Zeit eine komplette Pergola. Doch diese Großzügigkeit hat ihren Preis: „Diese Liane wächst derart rasant, dass sie problemlos Ihre anderen Pflanzen binnen weniger Saisons ersticken kann“, warnt das Fachportal HouseDigest.

Warum diese wohlriechende Rankpflanze zur echten Plage wird

Einmal in Fahrt gekommen, begnügt sich die Pflanze keineswegs mit der ihr zugedachten Rankhilfe. Die kriechenden Triebe schlagen am Boden Wurzeln und bilden dichte Matten, die den Boden regelrecht aussaugen. Die Lianen klettern außerdem in Hecken und junge Bäume hinein. „Sie werden schwer genug, um Äste zu brechen oder sogar kleinere Bäume umzureißen, und rauben dem darunter wachsenden Gras sowie Blumen regelmäßig das Licht“, beschreibt HouseDigest weiter.

Zu diesem explosiven Wachstum gesellt sich eine höchst effektive Vermehrungsstrategie. Das Japanische Geißblatt produziert unzählige glänzend schwarze Beeren, die von Vögeln gefressen werden – diese verbreiten die Samen weit entfernt von der Mutterpflanze. Diese Samen können jahrelang im Boden überdauern und keimen sofort, sobald nach einem Rückschnitt oder Bauarbeiten wieder Licht einfällt. Die Pflanze verträgt Trockenheit, karge Böden und leichten Schatten – daher findet man sie sowohl in französischen Hecken als auch in zahlreichen nordamerikanischen Wäldern.

Japanisches Geißblatt erkennen und im Garten kontrollieren

Um nicht überrannt zu werden, sollten Sie es frühzeitig identifizieren, wenn erst wenige Triebe in einem Beet oder am Baumfuß erscheinen. Im Winter erleichtert das grün bleibende Laub die Erkennung, während ringsum alles vergilbt. Behalten Sie diese typischen Merkmale im Gedächtnis:

  • gegenständige, ovale, einfache Blätter
  • zunächst biegsame, später verholzende und hohle Stängel
  • trompetenförmige Blüten, weiß dann gelb, intensiv duftend
  • kleine glänzend schwarze Beeren zum Saisonende

Bei jungen Exemplaren genügt meist das händische Ausreißen nach Regenfällen, wobei sämtliche Wurzeln sorgfältig entfernt werden müssen. Haben die Lianen bereits Hecken und Bäume erobert, empfiehlt sich bodenbündiges Abschneiden, Entsorgung der Triebe und anschließendes regelmäßiges Zurückschneiden der Neutriebe – eventuell unterstützt durch Abdecken des Bodens mit Kartons und Mulch. Chemische Behandlungen auf Glyphosatbasis sollten absolute Notlösung bleiben und nur unter strikter Beachtung der Vorschriften erfolgen. Viele Gartenbesitzer wählen stattdessen nicht-invasive Geißblatt-Arten oder Kletterjasminen, die ebenso betörend duften.

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