Rhabarber im Garten: Dieser Pflanzenteil kann Sie direkt in die Notaufnahme bringen

Die versteckte Gefahr in jedem Hobbygarten

In zahlreichen Hausgärten nimmt Rhabarber einen festen Platz ein. Mit seinen imposanten grünen Blättern und den rot-rosa schimmernden Stielen verspricht er saftige Kuchen und aromatische Kompotte. Die robuste Staude gilt als pflegeleicht, nahezu unverwüstlich und wird gerne mit Nachbarn geteilt oder für Kinder zubereitet.

Doch hinter diesem friedlichen Bild verbirgt sich eine ernsthafte Bedrohung: Die giftigen Rhabarberblätter enthalten erschreckend hohe Mengen gefährlicher Substanzen. Wer den Unterschied zwischen essbaren Stielen und giftigem Blattwerk nicht kennt, riskiert schwere Vergiftungen bei Menschen und Haustieren gleichermaßen.

Essbare Stiele versus tödliches Blattwerk

Botanisch betrachtet gehört Rhabarber zur Gattung Rheum und bildet jährlich große Blätter mit fleischigen, langen Stielen aus. Genau diese Stängel sind nach dem Kochen genießbar. Die Blätter selbst bleiben absolut ungeeignet für den Verzehr, da sie konzentrierte Mengen an Oxalsäure und weiteren reizenden Verbindungen enthalten.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Bereits 100 Gramm frische Blätter können bis zu 13 Gramm Oxalsäure enthalten. Erschreckend dabei ist, dass schon etwa 5 Gramm reiner Säure ausreichen, um einen erwachsenen Menschen zu vergiften. Bei Kindern oder kleinen Haustieren liegt die Gefahrenschwelle dramatisch niedriger. Gesundheitsbehörden registrieren jährlich tausende Anrufe bei Giftnotrufzentralen wegen toxischer Gartenpflanzen.

So wirkt das Gift im menschlichen Körper

Nach der Aufnahme größerer Mengen löst Oxalsäure zunächst brennende Schmerzen in Mund, Rachen und Magen aus. Anschließend verbindet sie sich mit dem Kalzium im Blut, wodurch Kalziumoxalat-Kristalle entstehen, die sich in den Nieren ablagern. In dokumentierten Fällen kam es zu akutem Nierenversagen, besonders bei Dosierungen ab 600 Milligramm Oxalat pro Kilogramm Körpergewicht.

Betroffene berichten von verschiedenen Symptomen: brennende Schmerzen im Rachenraum, Übelkeit, Erbrechen, heftige Bauchkrämpfe, Durchfall, Atembeschwerden sowie dunkler oder rötlich verfärbter Urin als mögliches Warnsignal für Nierenschäden. Schon kleine Mengen können bei Kindern oder Katzen dramatische Folgen haben.

Erste Hilfe bei Vergiftungsverdacht

Giftnotrufzentralen empfehlen bei Verdacht auf Rhabarbervergiftung drei entscheidende Sofortmaßnahmen:

  • Mund gründlich ausspülen und sämtliche Pflanzenreste vollständig entfernen
  • Keinesfalls selbst Erbrechen herbeiführen oder auslösen
  • Umgehend die Giftnotrufzentrale oder einen Tierarzt kontaktieren und möglichst eine Pflanzenprobe bereithalten

Rhabarber richtig genießen ohne Gesundheitsrisiko

Um diesen Frühjahrsklassiker weiterhin sicher zu nutzen, gilt eine einfache Grundregel: Ausschließlich die Stiele verwenden. Man bricht den Stängel bodennah ab, trennt sofort das Blatt ab und entsorgt es umgehend. Die Erntezeit konzentriert sich auf das Frühjahr und endet spätestens Ende Juni, da die Stiele danach faserig werden und mehr Oxalsäure anreichern.

Manche Gärtner praktizieren das sogenannte Treiben von Rhabarber, bei dem man die Pflanze mehrere Wochen lang mit einem lichtundurchlässigen Eimer oder einer Glocke bedeckt. Ein britischer Gartenblogger beschreibt das Ergebnis folgendermaßen: Das Resultat sind blassrosa, lange und zarte Stiele mit kleinen Blättern sowie einem mild-delikaten Geschmack. Die Blätter bleiben auch nach dem Treiben giftig, eignen sich aber für den Kompost oder zur Herstellung einer Rhabarber-Jauche als natürliches Schädlingsmittel – allerdings außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren aufbewahrt.

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