Unsichtbare Gefahr in deinen vier Wänden
Du glaubst, frische Luft strömt herein, sobald du das Fenster öffnest? Die Realität sieht anders aus. Farben, Möbel, Klebstoffe, Textilien und Reinigungsmittel setzen flüchtige organische Verbindungen frei – manche davon gelten als krebserregend, darunter Benzol und Formaldehyd. Diese Herausforderung beschäftigt nicht nur Mediziner.
Die NASA musste sich damit auseinandersetzen, um das Leben in komplett abgeschlossenen Räumen vorzubereiten – in Raumstationen ohne ein einziges Fenster. Was die Forscher dabei entdeckten, verändert unseren Blick auf gewöhnliche Zimmerpflanzen grundlegend.
Die erstaunliche Entdeckung der NASA-Wissenschaftler
Um dieses Problem zu lösen, testeten die Wissenschaftler Zimmerpflanzen auf ihre Fähigkeit, diese Schadstoffe zu absorbieren. Eine davon wurde zum absoluten Star ihrer Versuche: eine ultra-verbreitete Kletterpflanze, die oft in unseren Küchen hängt. In versiegelten Kammern zeigte sie eine spektakuläre Reduktion bestimmter krebserregender Substanzen.
Diese „NASA-Pflanze“ steht womöglich bereits bei dir zu Hause, ohne dass du ahnst, was sie wirklich für deine Raumluft leistet. Das Faszinierende daran? Sie ist alles andere als selten oder exotisch.
Die NASA-Pflanze ist die Efeutute, die du überall siehst
Die berühmte Pflanze hat nichts Außergewöhnliches an sich: Es handelt sich um die Efeutute, wissenschaftlich Epipremnum aureum genannt, manchmal auch als Teufelsefeu bezeichnet. Diese Rankpflanze mit grünen, teils gelb panachierten Blättern klettert an Rankstäben hoch oder hängt malerisch von Regalen herab.
Experten empfehlen sie Anfängern, weil sie keine intensive Bewässerung braucht. Sie schätzt indirektes Licht und etwas Luftfeuchtigkeit – ein gelegentliches Besprühen der Blätter genügt bereits. Ein weiterer Pluspunkt: Diese Zimmerpflanze verkraftet problemlos Temperaturschwankungen, was sie perfekt für Wohnungen macht.
Doch vor allem hat die NASA sie für ihre Arbeiten zur Luftqualität ausgewählt. Eine Studie aus dem Jahr 1989 bewies, dass bestimmte Pflanzen wie die Efeutute Schadstoffe in geschlossenen Räumen reduzieren, indem sie flüchtige organische Verbindungen während des Gasaustauschs aus der Luft filtern.
Was die NASA tatsächlich über die Efeutute und Raumluft herausfand
Um diese Auszeichnung zu verstehen, müssen wir zu den Experimenten zurückkehren, die für lange Weltraumaufenthalte durchgeführt wurden. Forscher Bill Wolverton testete Pflanzen in hermetisch abgeschlossenen Kammern, um zu beobachten, wie sie Schadstoffe wie Benzol, Xylol, Toluol oder Formaldehyd senken.
In dieser Studie stellte Bill Wolverton fest: „Zwei Pflanzen angemessener Größe für neun Quadratmeter waren ein ausgewogenes Verhältnis.“ Unter diesen perfekt abgeschlossenen Bedingungen senkt die Efeutute binnen weniger als vierundzwanzig Stunden bis zu 73 Prozent bestimmter krebserregender Schadstoffe, so die Auswertungen dieser NASA-Studie.
Der Mechanismus funktioniert zweifach: Die Blätter nehmen einen Teil der Verbindungen über ihre Spaltöffnungen auf. Anschließend wandeln die Pflanze und vor allem die Bakterien und Pilze im Substrat diese in weniger gefährliche Substanzen um, indem sie sie in ihre Stoffwechselprozesse integrieren.
So holst du dir die NASA-Efeutute nach Hause – ohne Mythen
Die Versuche der NASA fanden im Labor statt, in versiegelten Kammern – weit entfernt von einer belüfteten Wohnung. Spätere Arbeiten unter realen Bedingungen, wie das von der ADEME unterstützte Phyt’air-Programm, zeigen: Es bräuchte sehr viele Pflanzen pro Quadratmeter für eine messbare Schadstoffreduktion.
Anders ausgedrückt: Die Efeutute ersetzt weder tägliches Lüften noch die Wahl schadstoffarmer Materialien und Reinigungsprodukte. Sie ist eine Ergänzung, kein Wundermittel.
In der Praxis bleibt das Begrünen deines Wohnzimmers vor allem ein Plus für den Komfort. Die Anwesenheit von Pflanzen verbessert das psychische Wohlbefinden, bringt etwas Feuchtigkeit und macht die Luft angenehmer. Die Efeutute solltest du allerdings außer Reichweite von Kindern und Haustieren platzieren.
Die gesamte Pflanze enthält nämlich reizende Calciumoxalat-Kristalle. Besser, niemand knabbert an einem Blatt oder Stängel herum.
Praktische Tipps für maximale Wirkung
Wenn du die Luftreinigungswirkung nutzen möchtest, achte auf die richtige Pflege. Die Efeutute bevorzugt mäßiges Gießen – lass die Erde zwischen den Wassergaben leicht antrocknen. Staunässe verträgt sie schlecht, während gelegentliche Trockenheit ihr wenig ausmacht.
Platziere sie an einem hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Zu viel Sonne verbrennt die Blätter, zu wenig Licht lässt die schöne Panaschierung verblassen. Ein Nordfenster oder ein Platz einige Meter vom Südfenster entfernt sind ideal.
Für beste Ergebnisse kombiniere mehrere luftreinigende Pflanzen. Die NASA-Forschung empfiehlt eine gewisse Pflanzendichte, auch wenn der Effekt in bewohnten Räumen begrenzt bleibt. Dennoch: Jede Verbesserung zählt, besonders in modernen, gut isolierten Gebäuden mit wenig Luftaustausch.










