Narzissen im Garten: Überprüfen Sie jetzt Ihre Bestände – seltene rosa Sorte aus dem 19. Jahrhundert steht vor dem Aussterben

Frühlingsboten in Gefahr: Die Suche nach der vergessenen rosa Narzisse

Sie leuchten an Straßenrändern und verwandeln Gärten in gelbe Blütenmeere. Narzissen gelten als unverwechselbare Frühlingsverkünder, deren trompetenförmige Blüten selbst kühle Rasenflächen durchbrechen. Doch hinter diesen vertrauten Gewächsen verbirgt sich möglicherweise ein botanischer Schatz: eine fast verschwundene rosa Narzisse aus dem 19. Jahrhundert.

Die Royal Horticultural Society (RHS), Großbritanniens führende Gartenbauvereinigung, startet einen außergewöhnlichen Aufruf. Gartenbesitzer sollen ihre Narzissenbestände genau unter die Lupe nehmen und Bildmaterial einsenden. Das Projekt Daffodil Diaries verfolgt ein doppeltes Ziel: herauszufinden, welche Sorten in privaten Gärten überdauern und wie diese auf die klimatischen Veränderungen reagieren. Im Fokus steht eine außergewöhnliche rosa Züchtung aus vergangenen Zeiten sowie zwei weitere nahezu ausgestorbene historische Varietäten.

Rettungsmission für botanisches Erbe

Die Organisation richtet sich mit einem konkreten Handlungsaufruf an die Öffentlichkeit. „Bei Hunderten verschiedener Narzissensorten, die im Vereinigten Königreich vorkommen sollten, bitten wir Sie, zu dokumentieren, wo in Ihrer Umgebung Narzissen blühen“, erklärt die RHS laut britischer Tageszeitung Express. Die Teilnehmer werden gebeten, grundlegende Merkmale wie Farbgebung, Typ und Wuchshöhe festzuhalten.

Diese gesammelten Daten dienen Wissenschaftlern als wertvolle Grundlage. „RHS-Forscher nutzen diese Informationen, um Umwelteinflüsse auf Narzissen zu verstehen, Käuferpräferenzen zu ermitteln und ihre Ausbreitung nachzuvollziehen“, heißt es weiter.

Dringender Appell: Drei Sorten stehen auf der Kippe

Der zeitliche Druck macht die Aktion besonders bedeutsam. „Wir rufen auch zur Fahndung nach drei Narzissensorten auf, die entweder bedroht sind oder als ausgestorben gelten“, betont die Vereinigung. Das kulturelle Gewicht dieser Mission wird deutlich formuliert: „Das Auffinden dieser Narzissen unterstützt ihr Überleben, vertieft unser Verständnis für gartenbauliches Erbe und ermöglicht sogar die Bewahrung genetischen Materials, das für zukünftige Züchtungen angesichts des Klimawandels wertvoll sein könnte.“

Die gesuchten Raritäten im Detail

An erster Stelle der Suchliste steht Narcissus ‚Mrs R.O. Backhouse‘, jene rosa Narzisse aus dem 19. Jahrhundert, nach der landesweit gefahndet wird. Bei einer früheren Ausgabe von Daffodil Diaries hatten bereits rund 3.000 Menschen ihre Beobachtungen gemeldet – lediglich 6 Prozent der entdeckten Varietäten zeigten rosafarbene Blüten.

Zwei weitere Sorten komplettieren die Liste gefährdeter Schätze: ‚Mrs William Copeland‘, eine gefüllte weiße Narzisse mit besonders üppiger Blütenpracht, sowie ‚Sussex Bonfire‘ in Gelb-Orange-Tönen, die seit 1998 in gewöhnlichen Gärten nicht mehr gesichtet wurde.

Klimawandel verschiebt das Frühlingserwachen

Dr. Kálmán Könyves unterstreicht die kulturelle Bedeutung dieser Frühlingsblumen. „Narzissen sind zum Symbol des Frühlingsbeginns geworden und werden für ihren willkommenen Farbklang in Gärten, Parks und entlang von Straßen gefeiert.“

Die Erderwärmung beeinflusst den Blühzeitpunkt – sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland verschiebt sich die Saison nach vorne. „Doch hinter der allgegenwärtigen gelben Blüte steckt mehr, als man denkt: 31.000 bekannte Sorten existieren in Grün-, Rosa- und Rottönen. Zu verstehen, wo sie vorkommen, hilft uns, diese Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren.“

Nach oben scrollen