Die unsichtbare Entscheidung unter der Erde bestimmt über Erfolg oder Misserfolg
Beim Kauf eines Apfel- oder Kirschbaums konzentrieren wir uns auf den Geschmack der Früchte. Die Wurzeln interessieren kaum jemanden. Dabei entscheidet eine verborgene Wahl unter der Erdoberfläche über die spätere Baumgröße, seine Widerstandsfähigkeit gegen Frost und den Zeitpunkt der ersten Ernte. Diese Wahl betrifft die Unterlage – ein Detail, das noch viel zu oft übersehen wird.
Bei der Veredelung verbindet man ein Edelreis, das die gewünschte Sorte trägt, mit einer Unterlage, die Stamm und Wurzelwerk bildet. Die Unterlage versorgt den gesamten Baum, passt die Pflanze an Boden und Klima an und beschleunigt den Fruchtansatz im Vergleich zu wurzelechten Exemplaren. Laut französischem Obstbaumverband kann eine optimal gewählte Birnen-Unterlage die Produktion über zehn Jahre um etwa 50 Prozent steigern. Ein guter Grund, vor dem Pflanzen genau hinzusehen.
Unterlage und Edelreis – das unsichtbare Duo formt Ihren Obstbaum
Eine Veredelungsunterlage ist ein Baum oder Strauch, von dem nur ein Stammstück und das Wurzelsystem erhalten bleiben, um darauf eine andere Sorte zu veredeln. Die oberirdischen Teile werden entfernt, das Edelreis wächst auf diesem robusten Fundament weiter. Meistens wählt man eine Art aus derselben Familie, oft eine wüchsige Wildform – beispielsweise eine Vogelkirsche für Süßkirschen oder eine Heckenrose für Rosen.
Das Edelreis bestimmt die Apfel- oder Birnensorte, ihren Geschmack, die Fruchtform und den Erntezeitpunkt. Die Unterlage dagegen legt Wuchsstärke, Endhöhe, Frühreife, Lebensdauer und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten wie Feuerbrand, Wurzelfäule, Mehltau, Phytophthora oder Tristeza fest. Ein identisches Edelreis verhält sich also völlig unterschiedlich, je nachdem welche Unterlage darunter steckt.
So wählen Sie die richtige Unterlage für Ihren Boden, Ihr Klima und die gewünschte Wuchskraft
Das erste Auswahlkriterium ist der Boden. Struktur – ob lehmig oder sandig –, Feuchtigkeit, pH-Wert und besonders der aktive Kalkgehalt spielen eine enorme Rolle. Viele Quitten-Unterlagen kümmern bereits ab etwa 3 bis 5 Prozent aktivem Kalk: Die Blätter vergilben durch Eisenchlorose. Eine Birne auf Sämlingsunterlage verträgt dagegen bis zu 10 Prozent und eignet sich deutlich besser für kalkhaltige Böden. Bei Pflaumen akzeptieren Unterlagen wie Myrobalan oder Saint-Julien schwere oder steinige Böden besser.
Als nächstes kommt das Klima ins Spiel. Bestimmte Birnen-Unterlagen wie Pyrus ussuriensis halten etwa minus 30 Grad Celsius aus, während Quitten-Unterlagen bei minus 12 bis minus 15 Grad an ihre Grenzen stoßen. Auch die Trockenheitstoleranz variiert erheblich: Die Apfel-Unterlage MM111 kommt gut mit trockenen Böden zurecht. Zuletzt muss die Wuchsstärke passen: schwach (3 bis 4 Meter, Früchte nach 3 bis 4 Jahren), mittel (5 bis 6 Meter, 3 bis 5 Jahre), stark (8 bis 10 Meter, 8 bis 10 Jahre) – dafür mit sehr langlebigen Bäumen auf Sämlingsunterlagen.
Welche Unterlage für kleine Gärten, Hausgärten oder Hochstamm-Anlagen
Für einen Hausgarten empfiehlt sich eine schwachwüchsige Unterlage: Der Baum erreicht etwa 3 bis 4 Meter Höhe, trägt nach 3 bis 4 Jahren Früchte und lässt sich bequem beernten. Auf großen Grundstücken liefern Apfel- oder Birnbäume auf Sämlingsunterlagen, Vogelkirsche oder Myrobalan stattliche Exemplare für Streuobstwiesen.










