Diese Sukkulente lässt sich kinderleicht vermehren – bedroht aber Frankreichs Küsten massiv

Warum diese Pflanze so verführerisch einfach zu stecken ist

Ein einzelner Trieb in einen Topf gesteckt, wenige Wochen später ein üppiger Blütenteppich in Violett, der über Mauern hinabfließt. Die Hexenfinger-Mittagsblume, botanisch Carpobrotus edulis genannt, gehört zu jenen bodendeckenden Sukkulenten, die selbst Anfänger problemlos durch Stecklinge vermehren können.

Das Prinzip funktioniert denkbar simpel: Aus einem Stängelstück einer etablierten Pflanze entsteht ein neues Exemplar mit identischen Eigenschaften. Damit Hexenfinger-Stecklinge erfolgreich wurzeln, braucht es den richtigen Zeitpunkt, sorgfältige Vorbereitung und kontrollierte Feuchtigkeit. Eine Sache von Fingerspitzengefühl, Geduld – und ökologischer Verantwortung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Vermehrung

Der ideale Zeitpunkt liegt im Frühjahr, wenn die Pflanze besonders wüchsig ist. Mit einer sauberen Gartenschere schneiden Sie einen 10 bis 15 cm langen Trieb ohne Blüten ab, direkt unterhalb eines Knotens – dort bilden sich Wurzeln am leichtesten. Entfernen Sie die unteren Blätter, um die Basis freizulegen, dann lassen Sie das Triebstück mindestens 24 Stunden an der Luft trocknen. Dieser Schritt verhindert Fäulnis.

Für die Bewurzelung stehen zwei Methoden zur Wahl. Stecken Sie den Trieb in einen kleinen Topf mit sehr durchlässigem Substrat aus Blumenerde und Sand, versenken Sie den unteren Teil, drücken Sie alles fest und gießen Sie sparsam. Alternativ tauchen Sie die Basis in ein Glas Wasser – so lässt sich die Wurzelbildung direkt beobachten.

Wie lange dauert die Bewurzelung bei Hexenfinger-Stecklingen?

Bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C an einem hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung zeigen sich oft schon nach ein bis zwei Wochen erste Wurzeln, manchmal dauert es drei Wochen. Stecklinge in Erde benötigen leicht feuchtes, niemals durchnässtes Substrat. Bei der Wassermethode sollten Sie das Wasser regelmäßig wechseln, damit es nicht fault.

Sobald die Wurzeln einige Zentimeter lang sind, verpflanzen Sie die Hexenfinger in einzelne Töpfe oder ins Freiland. Das geschieht üblicherweise vier bis sechs Wochen nach dem Stecken, idealerweise im Frühsommer. Wählen Sie sonnige Standorte mit sehr durchlässigem Boden und bedenken Sie: Diese Sukkulente verträgt kaum Temperaturen unter -3 bis -4 °C.

Kinderleichte Vermehrung trifft auf invasive Bedrohung

In mildem Klima kann eine einzige Pflanze eine dichte Matte von rund 20 m² bilden, die einheimische Flora regelrecht erstickt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Rückgang der Artenvielfalt um 35 bis 60 Prozent in kolonisierten Gebieten. Der Verhaltenskodex für invasive Pflanzen empfiehlt, Carpobrotus nicht näher als 20 km zur Küste zu pflanzen. Französische Naturschutzbehörden und das Amt für Biodiversität arbeiten an der Beseitigung in geschützten Küstenzonen.

Für Hobbygärtner bedeutet das konkret: Verzichten Sie auf Freilandpflanzungen in Küstennähe und beschränken Sie diese Sukkulente auf Kübel, Balkonkästen oder stadtnahe Gärten fernab der Küste, wo ihre Wuchskraft kontrollierbar bleibt. Bretagne-Experten beschreiben ihre Ausbreitungsfähigkeit eindrücklich: Selbst einzelne Blätter können nach einem Aufenthalt im Meerwasser noch bewurzeln. Überwachen Sie kriechende Triebe deshalb genau und schneiden Sie sie zurück, bevor sie an jedem Knoten Wurzeln schlagen.

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