Vom Deko-Hit zur verbotenen Spezies
Die beigefarbenen Federbüschel, die jahrelang jeden Boho-Wohnraum auf Instagram zierten, sind längst mehr als nur ein harmloser Einrichtungstrend. In Frankreich gilt Pampasgras mittlerweile als invasive gebietsfremde Art – mit Konsequenzen, die viele überraschen dürften. Theoretisch drohen Besitzern strafrechtliche Verfolgung. Was einst aus Südamerika als Zierpflanze kam, entwickelte sich zum Alptraum für Behörden.
Ursprünglich verschönerte diese Pflanze Gärten und Kreisverkehre. Doch ihre Fähigkeit, Böschungen, Brachflächen und Straßenränder zu erobern, verdrängte rasch einheimische Arten. Die rasante Ausbreitung führte zu einem umfassenden Rechtsrahmen: landesweite Verordnungen, Handelsverbote, mögliche Strafverfolgung. Jetzt fragen sich Eigentümer besorgt: Welche Konsequenzen hat es, wenn ich Pflanzen oder getrocknete Wedel zuhause behalte?
Wenn Dekoration zur ökologischen Bedrohung wird
Ein einzelner Federbusch des verbotenen Pampasgrases setzt Hunderttausende winziger Samen frei, die der Wind kilometerweit trägt. Die Pflanze bildet dichte Horste, die umliegende Vegetation ersticken. „Sobald sie sich etabliert, verschwinden heimische Pflanzen nach und nach“, erläutert Annabelle Thierry vom Conservatoire des espaces naturels de Nouvelle-Aquitaine. Neben dieser Verdrängung kommt ein weiteres Problem: Die scharfkantigen Blätter können Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen.
Als Reaktion auf diese Invasion landete die Art Cortaderia selloana am 14. Februar 2018 auf der Liste invasiver gebietsfremder Spezies. Zunächst betraf die Regelung hauptsächlich den Handel. Eine Verordnung vom 2. März 2023 verschärfte die Bestimmungen erheblich: Einführung, Besitz, Transport, Austausch, Verwendung und Verkauf lebender Pflanzen sind nun untersagt, um die weitere Ausbreitung zu stoppen.
Das steht wirklich im Gesetz
Die Artikel L415-3 und R415-1 des französischen Umweltgesetzbuchs sehen für das Einführen oder Inverkehrbringen verbotener Arten Strafen von bis zu 3 Jahren Haft und 150.000 € Geldstrafe vor. Diese Höchststrafen zielen vorrangig auf schwerwiegende Fälle ab: gewerbsmäßige Zucht und Verkauf, Importe, vorsätzliche Verbreitung in der Natur – besonders in Schutzgebieten wie Nationalparks oder Naturreservaten.
Privatpersonen, die vor dem Verbot Pampasgras gepflanzt haben, erhalten meist zunächst eine Aufforderung zur Entfernung, sofern sie kooperieren. Getrocknete Wedel oder Büschel als Dekoration gelten nicht als lebende Exemplare, obwohl viele Floristen sie vorsorglich aus dem Sortiment genommen haben.
So handeln Sie richtig
Falls Sie diese Büschel mit scharfkantigen Blättern und cremefarbenen Wedeln in Ihrem Garten entdecken, schneiden Sie zuerst die Blütenstände ab, bevor sie aussamen – mit Handschuhen und langen Ärmeln. Anschließend muss die gesamte Pflanze samt Wurzeln ausgegraben werden. Entsorgen Sie alle Pflanzenteile über den Wertstoffhof, niemals über den Hauskompost, um ein Wiederaustreiben zu verhindern.
Für die Einrichtung gibt es risikofreie Alternativen im Boho-Stil. Ziergräser wie Miscanthus oder bestimmte Stipa-Arten bieten luftige Federbüschel ohne Gefährdung der Artenvielfalt. Künstliche Pampasgras-Nachbildungen für Innenräume sorgen für denselben visuellen Effekt – ganz ohne Samen und Pflegeaufwand.










