Was den betörenden Duft von Omas Rosen vernichtet hat – und wie Sie ihn retten

Wenn Rosenblüten stumm bleiben: Das verschwundene Aroma

Sie beugen sich über einen prächtigen Strauß, atmen tief ein… und spüren fast nichts. Während die Gartenrosen Ihrer Großmutter das ganze Haus mit ihrem Duft erfüllten, wirken die ultralangen Stiele vom Floristen heute verblüffend zurückhaltend. Zahlreiche Hobbygärtner teilen diese Beobachtung: Moderne Rosen duften nicht mehr wie früher.

Hinter dieser kleinen Enttäuschung verbirgt sich eine faszinierende Geschichte aus Genetik, globalem Handel und feinster Chemie. Wissenschaftler haben sogar die Moleküle des Rosendufts analysiert, um herauszufinden, was unterwegs verloren ging. Das Paradoxe dabei: Rosen können durchaus noch intensiv duften – wenn man bestimmte Kompromisse akzeptiert.

Zeitgenössische Züchtungen: Makellos, widerstandsfähig… aber geruchlos

Aus rund 150 Wildarten schufen Züchter über 30.000 Rosensorten. Jahrzehntelang stand die perfekte Form im Vordergrund, dazu ungewöhnliche Farben, wiederholte Blüte und Robustheit – der Duft spielte eine untergeordnete Rolle. Da die Gene für Aromabildung meist rezessiv vererbt werden, verschwinden sie rasch, sobald man sie mit anderen, profitableren Merkmalen kreuzt. Forschungsarbeiten des französischen CNRS belegen, dass etwa 90 Prozent der Nachkommen den Duft ihrer Elternpflanzen nicht bewahren – ein denkbar schlechtes Verhältnis.

Bei Schnittrosen, die größtenteils aus Afrika oder Südamerika stammen, verschärft die Logistik dieses Problem zusätzlich. Stark duftende Blüten neigen dazu, ihre Knospen schneller zu öffnen, was bei langen Transporten in Kühlräumen problematisch wird. Züchter bevorzugten deshalb Sorten, die geschlossen bleiben, sich gut transportieren lassen und über zehn Tage in der Vase halten. Logische Konsequenz: Fachquellen zufolge duften nur noch etwa 10 Prozent der aktuellen Rosensorten wirklich intensiv.

Rosenduft entpuppt sich als raffinierter Molekül-Cocktail

Um das Verschwundene zu verstehen, analysierten französische Forscherteams frische Rosen von zehn Sorten. Der charakteristische Rosenduft erwies sich als außerordentlich komplexes Gemisch flüchtiger organischer Verbindungen. „Es handelt sich um ein extrem komplexes Problem, weil wir es mit einem sehr reichhaltigen Molekülmix zu tun haben“, erklärt Sylvie Baudino gegenüber dem Journal du CNRS. Mehrere hundert Substanzen wurden erfasst und in Hauptgruppen eingeteilt: Terpene, 2-Phenylethanol, Ionone oder Oxylipine.

Nathalie Mandairon beschreibt diese Arbeit als „ersten Schritt, um die Mischungsbestandteile zu entschlüsseln und jene zu identifizieren, die Anziehung auslösen und tatsächlich mit der Wahrnehmung von Rosenduft verbunden sind – einschließlich ihrer Proportionen und Mengen“. Die Wissenschaftler zeigten, dass das typische Rosenaroma auf einem feinen Gleichgewicht zwischen Iononen, Oxylipinen und 2-Phenylethanol beruht. „Wir fanden erwartete Moleküle wie Phenylpropanoide, aber auch unerwartete wie Ionone und Oxylipine“, berichtet Mandairon weiter. Befragte Testpersonen verknüpften den Rosenduft positiv mit Kosmetik, Natur und zuletzt mit Nahrungsmitteln.

Ökologie, Luftverschmutzung und die mögliche Rückkehr duftender Rosen

Für Benoît Boachon erfüllen diese Duftstoffe zunächst wichtige Funktionen für die Pflanze selbst: „Flüchtige organische Verbindungen dienen der Kommunikation, um Bestäuber anzulocken, aber auch Fressfeinde bestimmter Schädlinge. Sie fördern die Abwehrkräfte benachbarter Pflanzen und ziehen nützliche Mikroorganismen an. Zudem schützen sie gegen Umweltstress, Krankheitserreger, Schädlinge und konkurrierende Pflanzen.“

Bei Petunien beobachtete er eine „natürliche Begasung“: „Wir stellten fest, dass flüchtige Verbindungen bereits innerhalb der sich entwickelnden Blütenknospe freigesetzt werden. Das schützt einerseits vor bakteriellem Befall, löst aber vor allem ein hormonelles Signal aus, das Stempelwachstum und Samenproduktion fördert. Dieses Signal basiert nicht auf einem löslichen Molekül, sondern auf einer flüchtigen Verbindung, die über Distanz kommunizieren kann.“ In der Luft werden diese Düfte heute durch Ozon und andere Schadstoffe gestört, die Duftmoleküle abbauen und ihre Reichweite verringern.

Im Garten liegt die Rettung: Gezielte Sortenwahl bringt Duft zurück

Für den heimischen Garten spricht nichts dagegen, wieder wirklich duftende Sorten zu wählen. Historische Rosen, berühmte englische Sorten oder moderne Züchtungen mit ausdrücklichem Vermerk „stark duftend“ haben ihre olfaktorische Kraft bewahrt – manchmal allerdings auf Kosten größerer Empfindlichkeit.

Pflanzenbiologen identifizierten ein Schlüsselgen namens RhNUDX1, das an der Synthese mehrerer Duftverbindungen beteiligt ist. Dies eröffnet Möglichkeiten für gezieltere Züchtungen. Gartenfreunde können spezialisierte Rosenschulen bevorzugen, kurze Lieferwege wählen und auf Hinweise wie „intensiver Duft“ achten, um dem Aroma bei der Rosenwahl wieder seinen gebührenden Platz einzuräumen.

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