Zwischen Entspannung und anhaltender Gefahr: Die aktuelle Lage
Nach Tagen höchster Alarmstufe kann das französische Département Lot-et-Garonne endlich aufatmen – allerdings nur ein wenig. Seit dem 20. Februar gilt statt der roten nun die orangefarbene Hochwasser-Warnstufe. Sturm Pedro und anhaltende Regenfälle haben die Garonne bei Marmande und den unteren Lot über die Ufer treten lassen. Die Bewohner hängen am Radio und verfolgen jede Meldung der Hochwasser-Warnzentrale Vigicrues.
Am Donnerstag, 20. Februar um 11 Uhr erreichte die Garonne etwa 5,03 Meter in Agen, mehr als 8 Meter in Tonneins und Marmande sowie 3,35 Meter in Villeneuve-sur-Lot. Diese Zahlen stammen direkt aus dem Lagebericht des Départements. An der Garonne bei Marmande setzt langsam ein Rückgang ein, doch flussaufwärts steigt das Wasser erneut leicht an – bei der Garonne im Raum Agen und am unteren Lot. Schuld sind neue Niederschläge in den Nachbardépartements. Die unmittelbare Bedrohung weicht zurück, doch die Risiken bleiben bestehen.
Langsamer Rückgang und gefährlich geschwächte Deiche
Auf der nationalen Warn-Karte stehen drei Départements weiterhin auf Rot wegen Hochwassergefahr. Lot-et-Garonne wurde nach mehreren Tagen auf höchster Stufe seit dem 12. Februar nun auf Orange zurückgestuft. Vor Ort sind Garonne und Lot aufgrund einer langanhaltenden Regenperiode durch Sturm Pedro und bereits gesättigte Böden über die Ufer getreten. Die Vigicrues-Bulletins sprechen von einem sehr langsamen Rückgang an diesen Flussabschnitten.
Dieser schrittweise Rückgang bedeutet keineswegs Entwarnung. Die Behörden warnen eindringlich: Die Deiche sind durch die aufeinanderfolgenden Überflutungen geschwächt oder beschädigt worden. Deshalb bleiben verschärfte Vorsichtsmaßnahmen in Kraft. Ein leichter Wiederanstieg des Wassers zeigt sich bereits an der Garonne bei Agen und am unteren Lot nach neuen Regenfällen flussaufwärts. Der Präfekt appelliert an die Bevölkerung, wachsam zu bleiben und sich auf einen möglichen erneuten Pegelanstieg vorzubereiten.
Evakuierungen, Notunterkünfte und gesperrte Waldgebiete
Als direkte Folge dieser Schwachstellen mussten allein am 20. Februar 590 Menschen evakuiert werden – mit Unterstützung von Rettungs- und Sicherheitskräften. Seit Beginn der Hochwasserkrise haben fast 1.750 Einwohner in Lot-et-Garonne ihre Wohnungen verlassen müssen. Die Betroffenen werden in Notunterkünften und Sammelpunkten untergebracht, die von den Behörden eingerichtet wurden.
Aktuell ist eine Sammelstelle in Aiguillon im Stade Louis Jamet aktiv, betrieben mit Hilfe anerkannter Katastrophenschutz-Organisationen. Gleichzeitig hat der Präfekt von Lot-et-Garonne eine Verordnung erlassen, die den öffentlichen Zugang zu sämtlichen Waldgebieten im gesamten Département untersagt. Diese Maßnahme gilt seit Sonntag und bis Montag, 23. Februar, 8 Uhr morgens. Grund ist die Instabilität der Bäume durch heftige Winde und Unwetter.
Gesperrte Straßen, Brücken und Netzausfälle: Das tägliche Chaos geht weiter
Jenseits der Hochwasser bleibt der Alltag massiv beeinträchtigt. Rund 2.000 Haushalte in Lot-et-Garonne sind nach wie vor ohne Strom, während das Telefonnetz weiterhin Störungen aufweist. In Gebieten mit Trinkwasserunterbrechungen wird Flaschenwasser verteilt. Auf der Schiene hat der Zugverkehr zwischen Agen und Monsempron-Libos auf der Linie Agen-Périgueux wieder begonnen, doch Richtung Périgueux fährt noch nichts.
Das Straßennetz bleibt ebenfalls stark betroffen, besonders im Raum Agen und Marmande. Mehrere Départementalstraßen in Garonne-Nähe sind weiterhin blockiert – etwa die RD 3 zwischen Sainte-Bazeille und Couthures-sur-Garonne oder die RD 642 rund um Aiguillon. Zwei Brücken bleiben geschlossen: in Le Mas-d’Agenais (D6) und in Couthures-sur-Garonne (D3). Die Brücken von Sauveterre-Saint-Denis (RD 308) und Tonneins (RD 120) sind wieder befahrbar.
Alle Brücken zur Autobahn A62 sind mittlerweile geöffnet, und die Garonne-Überquerung ist über die Brücken in Agen wieder möglich. Die Mitarbeiter des Départements arbeiten mit Hochdruck daran, die Straßen wieder instand zu setzen und das normale Leben zurückzubringen.










