Sturm Nils versetzt Frankreich in höchste Alarmbereitschaft
Während Sturm Nils über weite Teile des Landes hinwegfegt, herrscht an diesem Freitag, dem 13. Februar 2026, außergewöhnliche Anspannung. Die extremen Windböen der vergangenen Nacht und des Donnerstags haben ihre Spuren hinterlassen – doch die Gefahr ist noch längst nicht gebannt.
Nach den heftigen Sturmausläufern bleibt die Lage angespannt: Hochwasser, Sturmwarnungen und Lawinengefahr halten das Land in Atem. Météo-France hat eine bemerkenswerte Wetterwarnung für mitten im Winter ausgegeben.
Die Wetterbehörde stuft aktuell 76 Departements als gefährdet ein. Dabei erreichen zwei Regionen die höchste Warnstufe Rot wegen drohender Überflutungen, 23 Departements befinden sich auf Orange-Alarm und 51 weitere auf Gelb.
Geografische Verteilung der Wetterwarnungen im Überblick
Die kritischsten Zonen liegen im Einzugsgebiet der Garonne. Dazu gesellen sich Lawinenwarnungen in den Nordalpen sowie Sturmwarnungen für Teile des Südwestens und Korsikas. Meteorologen beschreiben Nils als Unwetter „von seltener Stärke“ – was die ungewöhnlich hohen Warnstufen für Februar erklärt.
Gironde und Lot-et-Garonne tragen die rote Markierung für Hochwassergefahr, ausgelöst durch massive Überschwemmungen der Garonne und ihrer Nebenflüsse. Die Situation verschärft sich stündlich.
Auf Orange-Warnstufe stehen 23 Departements: 19 wegen Hochwassergefahr – von Poitou bis Okzitanien, einschließlich Deux-Sèvres, Maine-et-Loire, Loire-Atlantique, Gers, Haute-Garonne, Vienne und Vendée. Vier alpine Departements – Haute-Savoie, Savoie, Isère und Hautes-Alpes – warnen vor Lawinen.
Gelbe Warnstufe betrifft mehr als die Hälfte des Landes
Der Rest verteilt sich auf gelbe Warnungen: 43 Departements wegen moderater Überschwemmungen, sechs für Westwinde am Fuße der Pyrenäen, zwei für Lawinengefahr auf Korsika. Auch hier lauern lokale Gefahren wie reißende Bäche oder Windböen bis 60 km/h.
Die wassergesättigten Böden seit Jahresbeginn verstärken die Dramatik. An der Garonne unterhalb von Agen meldet Vigicrues „schadenbringende Überschwemmungen im Gange“ sowie eine „Jahrhundertflut an der Garonne bei Marmande und in der Gironde“.
Kritische Pegelstände und Evakuierungsszenarien
Bei La Réole erwarten Experten maximale Wasserstände zwischen 8,9 und 9,7 Metern. Vigicrues warnt eindringlich: „Die Situation wird sich in den kommenden Stunden und Tagen verschlimmern und ausweiten.“ Schwere Überflutungen stehen unmittelbar bevor.
Messstationen registrierten binnen 24 Stunden bis zu 12,2 mm Niederschlag in La Teste-de-Buch und 9,7 mm in Arcachon. Windböen erreichten 71 km/h am Becken von Arcachon, 49 km/h in Marmande.
Für Tonneins und Marmande im Lot-et-Garonne prognostizieren Hydrologen Höchststände ab Freitag. In der Gironde könnte sich die Überschwemmung ab Samstag dramatisch verschärfen. Meteocity betont: „Rote Warnstufe bedeutet höchstes Risiko: Evakuierungen möglich, gesperrte Verkehrswege, lang anhaltende Stromausfälle. Fahrten in Überschwemmungsgebiete sind dringend zu vermeiden.“
Menschliche Tragödien und massive Infrastrukturschäden
Nachdem Nils den Südwesten mit Spitzengeschwindigkeiten von 150 bis 160 km/h an der Atlantikküste und am Mittelmeer heimgesucht hat, verlagert sich der Sturm nun Richtung Korsika und Alpen. Dort bringt er orkanartige Winde und massive Schneefälle mit sich.
Der Sturm forderte bereits ein Todesopfer: Ein 55-jähriger Lkw-Fahrer starb in den Landes, als ein herabstürzender Ast seinen Lastwagen traf. In Castelsarrasin erlitt ein 59-jähriger Kommunalangestellter durch einen umstürzenden Baum schwere Verletzungen, wie die Präfektur bestätigte. In Bayonne verletzte sich ein Mann leicht, als ein Baum auf sein Fahrzeug stürzte.
Stromausfälle in beispiellosem Ausmaß
Die Auswirkungen auf das Stromnetz sind verheerend: Am Donnerstag waren zeitweise 900.000 Haushalte ohne Elektrizität. Um 17 Uhr blieben laut technischem Direktor von Enedis noch 550.000 Haushalte im Dunkeln.
Am Freitagmorgen kämpfen immer noch etwa 450.000 Haushalte mit Stromausfällen – 292.000 davon in Nouvelle-Aquitaine, 153.000 in Okzitanien. Die Versorgungsunternehmen arbeiten unter erschwerten Bedingungen an der Wiederherstellung.
Überlebensregeln für die kommenden kritischen Stunden
Meteorologische Dienste geben klare Handlungsempfehlungen für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten:
- Überqueren Sie niemals überflutete Straßen – selbst 30 cm Wasser können lebensgefährlich sein
- Bei Windböen über 70 km/h: Sichern Sie lose Gegenstände und meiden Sie Waldgebiete unbedingt
- In Bergregionen: Informieren Sie sich vor jeder Tour bei den örtlichen Tourismusbüros über aktuelle Lawinenwarnungen
- Halten Sie batteriebetriebene Radios und Taschenlampen einsatzbereit und stellen Sie ein Notfallset zusammen
Die nächsten 48 Stunden bleiben entscheidend. Behörden appellieren an die Bevölkerung, Warnungen ernst zu nehmen und unnötige Risiken zu vermeiden.










