63-Jähriger lebt in Holzhaus zwischen Lagerhallen – Was er mit seinen Ziegen macht, verblüfft die Nachbarn

Grünes Holzhaus mitten in der Industriezone

An einer stark befahrenen Straße in Mijdrecht, umgeben von Parkplätzen und Lagerhallen, fällt Autofahrern ein kleines grün gestrichenes Holzhaus ins Auge. In diesem „grünen Haus“ aus dem Jahr 1879 wohnt Michel Schoenmaker, 63 Jahre alt, zusammen mit zwei Ziegen und ein paar Hühnern. Ein Mini-Bauernhof, eingeklemmt zwischen Gewerbebauten.

Seit zwei Jahren lebt der ehemalige Sportlehrer hier ein erstaunlich einfaches Leben: Er heizt mit Holz, bewirtschaftet einen Gemüsegarten und versorgt seine Tiere. Mehr braucht er nicht, sagt er. Aus purer Neugier startete er zusätzlich einen Aufruf in den sozialen Medien, um alle früheren Bewohner dieses fast 150 Jahre alten Hauses ausfindig zu machen.

Zwischen LKWs und Baumärkten steht ein Zeitzeuge

In Mijdrecht, Niederlande, steht das Haus direkt am Industrieweg, eingequetscht zwischen den Geschäften De Keukenkampioen und Karwei, nur wenige Kilometer von der Autobahn A2 entfernt, die Utrecht mit Amsterdam verbindet. Draußen dröhnt der ununterbrochene Verkehr von Autos, Lastwagen und Bussen. Drinnen wartet ein kleiner Raum, beheizt von einem Holzofen. Für viele Einheimische dient dieses „grüne Haus“ als Orientierungspunkt: „Wenn du das grüne Haus siehst, weißt du: Ich bin zu Hause“, erzählen sie.

Als nationales Denkmal geschützt, bildet dieses Holzhaus einen bemerkenswerten Kontrast zu den modernen Fassaden ringsum. Im eiskalten Flur hängt ein Poster, das als Stammbaum dient: Ganz oben steht das Jahr 1879, darunter die ersten wiedergefundenen Namen wie die Brüder De Boer oder Nol Nederhof. Zahlreiche Felder bleiben leer – Michel hofft, sie dank Online-Berichten füllen zu können.

Holzofen, Ziegen und selbstgemachte Eier

Das Herzstück des Hauses bildet ein alter Holzherd. Michel füttert ihn mit Holzresten, die ihm seine Nachbarn vom Baumarkt schenken: „Die Jungs von Karwei werfen mir manchmal Holz in den Korb auf der Wiese, und ich sammle es ein. Das wärmt mich“, erzählt er. Gerne erinnert er an seine Hausregel: „Holz wärmt dich dreimal: wenn du es trägst, wenn du es sägst und wenn du es verbrennst“.

Michel beschreibt sich ohne Umschweife. „Ich bin unkompliziert“, sagt er lachend. „Hier zu leben ist eine Mischung aus Camping und Wohnen“. Stolz zeigt er auf die Tür, die er zwischen Flur und Schlafzimmer eingebaut hat: „Das ist das Einzige, was hier neu ist“. An die Anfänge erinnert er sich deutlich: „Im ersten Jahr schlief ich hier mit einer Mütze, um mich vor der Zugluft zu schützen, aber jetzt ist es viel gemütlicher“. Draußen kümmert er sich um den Garten, die Hühner und die beiden Ziegen. Über die Eier erklärt er: „Ich verkaufe sie für einen kleinen Betrag. Damit kaufe ich neues Futter für die Tiere“. Dann fügt er schmunzelnd hinzu: „Schaff dir Ziegen an, und du lernst fluchen“.

Die Familie des grünen Hauses wird größer

Mit seinem „Stammbaum“ des Hauses möchte Michel jeden früheren Bewohner zeitlich einordnen. Sein Aufruf in den sozialen Medien brachte ihm mindestens zweihundert Antworten ein: „Damit habe ich auch nicht gerechnet“, gesteht er. Manche Berichte erzählen von großen Familien, die hier schliefen. Michel fasst zusammen, immer noch erstaunt: „Vierzehn Personen in diesen Klappbetten… Das kann sich niemand vorstellen!“

Unter den ehemaligen Bewohnern meldeten sich auch Adri de Jong und Rob Antonioli beim jetzigen Hausherrn. Adri erinnert sich vor allem an die kinderreichen Familien: „Es gab einmal eine Familie mit sieben Kindern auf der einen Seite und eine weitere mit fünf auf der anderen. Vierzehn Personen in diesen Klappbetten – das kannst du dir nicht ausmalen. Man lag nicht, man saß“.

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