Dramatische Szenen in den Straßen von Dubai
Die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten treibt zahlreiche Expatriates zur überstürzten Ausreise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch viele lassen dabei ihre treuen Begleiter einfach zurück. An Laternenmasten angebundene Hunde, in Kartons ausgesetzte Katzen oder vor Tierheimen abgestellte Vierbeiner – die Berichte häufen sich dramatisch.
Lokale Tierschutzorganisationen schlagen Alarm: Die Situation ist eskaliert. Zwischen hastigen Abreisen, bürokratischen Hürden und den hohen Kosten für Tiertransporte streunen plötzlich Hunderte von Hunden und Katzen schutzlos durch die Metropole.
Tierheime am absoluten Limit ihrer Kapazitäten
Während die Ausreisewelle anhält, werden die Tierheime regelrecht überrannt. Die Organisation K9 Friends Dubai, normalerweise spezialisiert auf die Vermittlung verlassener Hunde, sieht sich einer beispiellosen Krise gegenüber.
In den sozialen Medien berichtet die Einrichtung: „Wir werden buchstäblich mit Meldungen über ausgesetzte Hunde überschwemmt“. In einer eindringlichen Botschaft an Tierhalter erkennt die Organisation zwar an, dass „die Lage angespannt ist und manche Familien aus Sicherheitsgründen in ihre Heimatländer zurückkehren möchten“, betont jedoch nachdrücklich: Aussetzen darf niemals eine Option sein.
Die Helfer beschreiben eine sich rasant beschleunigende Entwicklung. Claire Hopkins, die in mehreren Tierheimen der Stadt engagiert ist, erklärt: „Die Expats wurden von dieser Kriegssituation völlig überrascht und geraten in Panik, weil sie die aufwendigen administrativen Prozeduren scheuen. Hinzu kommen die enormen Transportkosten für ihre vierbeinigen Gefährten“.
Ein weiteres Problem verschärft die Notlage: „Dubai reguliert Spendensammlungen extrem streng. Initiativen wie GoFundMe sind sogar verboten. Es ist also unmöglich, internationale Hilfe zu mobilisieren“, so Hopkins.
Erschreckende Bitten um Einschläferung völlig gesunder Tiere
Besonders alarmierend wird die Situation durch radikale Lösungsversuche verzweifelter Besitzer. Mehrere Tierärzte wurden kontaktiert mit der Bitte, kerngesunde Tiere einzuschläfern – eine ethisch untragbare Forderung.
Claire Hopkins schildert die erschütternde Realität: „Einige Veterinäre haben tatsächlich bereits Anfragen erhalten, völlig gesunde Tiere zu euthanasieren. Das ist wirklich grauenhaft! Sie verweisen die Besitzer dann an Tierheime, aber wir sind restlos überfüllt“.
Die Freiwilligen erhalten zunehmend verzweifelte Hilferufe. Anso Stander, die in Al Ain ein Tierheim leitet, berichtet: „An einem einzigen Tag erreichten mich nicht weniger als 27 verzweifelte Nachrichten“.
Oftmals werden Tiere einfach vor den Einrichtungen abgestellt. Besonders erschütternd: Eine Kiste mit einem Katzenpaar und vier Kätzchen wurde vor dem Tor gefunden. Eine beigelegte Notiz lautete: „Ich kehre wegen der hiesigen Situation in meine Heimat zurück“, gefolgt von einer Entschuldigung: „Ich habe versucht anzurufen, aber niemand ging ans Telefon. Es tut mir leid, so handeln zu müssen“.
Heftige Kritik an Influencern in den sozialen Netzwerken
Die Kontroverse hat auch die digitale Welt erreicht, wo mehrere in Dubai lebende Influencer ins Visier der Kritik gerieten. Die Influencerin Mel Dedigama, ebenfalls im Emirat ansässig, meldete sich öffentlich zu Wort und prangerte bestimmte Verhaltensweisen scharf an.
In einem viral gegangenen Video äußerte sie ihre Empörung: „Es gibt Leute, die in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind und tatsächlich ihre Tiere an der Grenze zurückgelassen oder Tierärzte um Einschläferung gebeten haben, weil die Impfungen nicht aktuell waren, um reisen oder das Tier mitnehmen zu können – das ist grausam, verwerflich und diese Personen verdienen keinerlei Respekt, ihr seid abscheuliche Menschen… Jetzt halte ich besser inne, bevor ich zu aggressiv werde“.
Allerdings differenziert sie zwischen verschiedenen Situationen: Sie würdigt ausdrücklich Besitzer, die ihre Tiere vertrauensvollen Personen anvertraut haben, wie beispielsweise Kindermädchen, die „sehr einfühlsam sind und Tiere wirklich lieben“.
Gleichzeitig betont die Influencerin, dass Urteile über Entscheidungen in Extremsituationen schwierig seien. Sie erklärt: „Wenn ich beispielsweise zu Dreharbeiten fahre, bleibt mein Nanny bei meinen Tieren und meiner Tochter, und das funktioniert hervorragend. Hier ist die Situation natürlich völlig anders, weil sie gefährlich ist, aber ehrlich gesagt wisst ihr nicht, wie ihr selbst auf diese Angst reagiert hättet„.
Trotz dieser Nuancierung gesteht sie ein, dass sie selbst kaum in der Lage wäre, ihre Liebsten zurückzulassen: „Ich persönlich weiß, dass ich innerlich sterben würde, wenn ich abreise, weil ich solche Angst um sie hätte, dass ich nicht mehr funktionieren könnte. Ich hätte das Gefühl, sie im Stich zu lassen. Aber das bin ich, meine Persönlichkeit, (…) es ist, als wären sie alle meine Kinder“.










