Warum diese Gärtnerin völlig auf Chemie verzichtet
Jedes Frühjahr dasselbe Bild: Zwischen Salat und Blumenbeeten scheint Unkraut alles zu überwuchern. Viele greifen dann schnell zu chemischen Unkrautvernichtern aus dem Gartencenter – oft ohne zu bedenken, dass diese den Boden und die Kleinlebewesen schädigen. Eine erfahrene Gärtnerin hat jedoch einen radikal anderen Ansatz gewählt.
Ellen Mary, Gartenbauexpertin und Moderatorin des Plant Based Podcast, bewirtschaftet ihren gesamten Garten komplett chemiefrei. Ihre Hauptstrategie? Konsequentes Jäten von Hand. „Ich setze absolut nichts in meinem Garten oder Gemüsebeet ein. Keine Sprays, kein gar nichts. Ich ziehe das Unkraut einfach mit der Hand“, erklärte sie in einem Gespräch mit Express.
Diese händische Methode kombiniert sie mit einem cleveren Trick und einer völlig neuen Sichtweise auf sogenanntes Unkraut.
Unkraut ist nicht der Feind – ein Perspektivwechsel
Natürlich konkurrieren wilde Pflanzen mit Kulturgewächsen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Besonders rund um junge Setzlinge oder im dicht bepflanzten Gemüsebeet kann man sie nicht einfach gewähren lassen. Trotzdem plädiert Ellen Mary für einen „Wandel der Denkweise“ im Umgang mit diesen Pflanzen.
„Egal, wie wir sie nennen sollen – eine Brennnessel ist eine Pflanze, Vogelmiere ist eine Pflanze. All diese verschiedenen ‚Unkräuter‘ sind einfach Pflanzen“, betont die Expertin. Viele davon seien äußerst nährstoffreich und durchaus nützlich. Der Garten müsse nicht steril sein – es gehe nur darum, dort einzugreifen, wo es wirklich nötig ist.
Brennnesseln etwa ernähren Marienkäfer, die wiederum Blattläuse fressen, und lassen sich zu Tee oder Dünger verarbeiten. Löwenzahn gehört zu den ersten Nektarquellen für Bienen im Frühjahr und kann sogar als Tee oder kaffeeähnliches Getränk genutzt werden. „Alles hat seinen Zweck“, so Ellen Mary.
Die Kombination macht’s: Handjäten plus No-Dig-Methode
Um Unkraut ohne Chemie in Schach zu halten, setzt Ellen Mary primär auf manuelles Jäten. Idealerweise nach einem Regen, wenn der Boden locker ist – so lassen sich die Wurzeln komplett entfernen. Das braucht anfangs etwas Zeit, schont aber Bodenlebewesen vollständig und hinterlässt keine Rückstände.
Ergänzend praktiziert die Gärtnerin die No-Dig-Methode, also Gärtnern ohne Umgraben. „Das hilft wirklich enorm gegen Unkraut“, erklärt sie. Statt den Boden jedes Jahr umzustechen, wird er mit einer Schicht organischen Materials bedeckt.
Diese Mulchdecke blockiert Licht und verhindert die Keimung bereits vorhandener Samen im Boden. „Alle Samen, die der Wind herüberweht und die auf dem Mulch landen, lassen sich einfach mit der Hand herausziehen“, fügt sie hinzu. Man hat es dann nur mit wenigen oberflächlichen Keimlingen zu tun – statt mit einer flächendeckenden Invasion.
So setzt du Pappe und Mulch im eigenen Garten ein
Wenn eine Fläche bereits stark überwuchert ist, empfiehlt Ellen Mary einen zusätzlichen Schritt. „Bei sehr viel Unkraut, das wirklich weg muss, würde ich Pappe auslegen und darüber eine richtig dicke Schicht gut verrottetes organisches Material geben. Dann einfach direkt durch diese Schichten hindurch pflanzen.“
Jedes Jahr kommt eine weitere, dünnere Mulchschicht dazu – das sind die Grundlagen der No-Dig-Methode. Die Pappe unter dem Kompost entzieht den darunter liegenden Pflanzen das Licht, während das organische Material den Boden nährt und seine Struktur verbessert.
Mit der Zeit zersetzen sich diese Schichten, der Boden wird lockerer und lebendiger, und das Unkrautwachstum nimmt spürbar ab. Ecken, die etwas wilder bleiben dürfen – mit ein paar Brennnesseln oder Löwenzahn – dienen als Rückzugsorte für Bestäuber und Nützlinge.
Perfektion ist nicht das Ziel
In diesem Ansatz muss die Natur nicht überall auf den Millimeter kontrolliert werden. Ellen Mary betont, dass der Garten nicht makellos sein muss. Sie ermutigt Hobbygärtner, sich wegen Unkraut nicht zu sehr zu sorgen – solange es die Kulturpflanzen nicht erdrückt.
Mit dieser Methode verbindet sich Effektivität mit Naturnähe: Ein kostenloser Rohstoff wie Pappe, kombiniert mit Kompost und konsequentem Handjäten, ersetzt chemische Keulen vollständig. Der Garten bleibt produktiv, die Artenvielfalt profitiert, und der Boden wird Jahr für Jahr fruchtbarer.










