Wenn Naturgewalten Tierleben bedrohen – ein Rettungszentrum am Limit
Sturm Nils hinterließ eine Spur der Verwüstung: abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume und zahlreiche hilflose Wildtiere. Reporterteams von France 3 besuchten eine Auffangstation in der Haute-Vienne, die mit einer Flut verletzter und vereinsamter Kleinsäuger kämpft.
Die schiere Menge an Notfällen stellt das Personal vor enorme Herausforderungen. Jedes Tier braucht individuelle Pflege, während draußen der Sturm weiter wütet.
450 Tiere in zwölf Monaten – das Zentrum Erina platzt aus allen Nähten
Das Rettungszentrum Erina wurde Anfang 2025 in der Gemeinde Razès eröffnet und war sofort überlastet. Innerhalb eines Jahres fanden hier 450 Säugetiere Zuflucht – eine beeindruckende Zahl mit steigender Tendenz.
Im Sommer erhielt die Einrichtung die Genehmigung, gesetzlich geschützte Tierarten aufzunehmen. Für 2026 rechnen die Betreiber mit über 700 Schützlingen.
Die ehrenamtliche Helferin Laure Castelot füttert mit dem Fläschchen ein winziges Eichhörnchen-Baby. Das rötliche Fellbündel wurde nach dem Unwetter am Boden gefunden – offenbar von den Eltern getrennt. „Menschen entdeckten es auf ihrem Grundstück und brachten es zu uns. Wir ernähren es mit speziell angepasster Milch“, erklärt sie. Diese Spezialnahrung soll dem Tier helfen, Kraft zu sammeln, bevor es zurück in die Wildnis kann.
Überlebenschancen erhöhen – innovative Auswilderungs-Strategie
Um diesen Geschöpfen eine echte zweite Chance zu geben, startete das Zentrum eine Online-Spendenaktion. Ziel ist der Bau großzügiger Gehege von etwa 16 Quadratmetern für Rothörnchen.
Diese Anlagen ermöglichen eine schrittweise Eingewöhnung an die natürliche Umgebung. Eine spezielle Klappe erlaubt den Tieren, hin und her zu wechseln, während sie lernen, eigenständig Nahrung und Unterschlupf zu finden.
Dieser durchdachte Ansatz verbessert die Überlebensrate junger Eichhörnchen erheblich. Parallel kümmert sich Erina um eine Igelin aus einem Privatgarten. Sie wog nur 600 Gramm und litt unter schwerer Atemnot.
Nach intensiver Behandlung und Sauerstoffgabe im Brutkasten stabilisierte sich ihr Zustand. Mittlerweile hat sie ihr Gewicht verdoppelt, steht aber weiterhin unter Beobachtung mit Antibiotika-Therapie und engmaschiger Gewichtskontrolle. Die Pfleger hoffen, sie bald in die freie Natur entlassen zu können.
Menschliche Aktivitäten als Hauptgefahr für Wildtiere
Sturm Nils machte das Überleben für heimische Wildtiere extrem schwierig. Doch meistens entstehen Verletzungen durch menschliches Handeln: Zusammenstöße mit Fahrzeugen, Fallen, Attacken von Haustieren – die Ursachen sind vielfältig und allgegenwärtig.
Das Rettungszentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, all diese Kleinsäuger zu versorgen – ob verletzt, krank oder verwaist. Die Mission ist klar: Jedes Leben zählt.
Nach erfolgreicher Behandlung werden die Tiere in ihrem ursprünglichen Lebensraum freigelassen. Die Sammelaktion für die Eichhörnchen-Gehege endet am Donnerstag, 5. März. Spenden an die Organisation sind jedoch ganzjährig möglich.
Die Verwüstungen durch Sturm Nils haben gezeigt: Solidarität ist wichtiger denn je. Nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir diesen wehrlosen Geschöpfen helfen.










