Der März entscheidet über die Sommerblüte
Wenn die Tage länger werden und sich die ersten Knospen zeigen, juckt es Gartenfreunden in den Fingern. Die Gartenschere ruft. Doch wer jetzt die falschen Pflanzen schneidet, riskiert eine blütenlose Saison. Ein einziger Schnitt zur falschen Zeit kann die gesamte Blütenpracht des Jahres zunichtemachen.
Der März bietet ein schmales Zeitfenster mit enormem Potenzial. Die härtesten Fröste liegen hinter uns, der Saft beginnt wieder zu steigen. Gleichzeitig sieht man die Pflanzenstruktur noch klar, bevor das Laub alles verdeckt. Manche Gewächse brauchen genau jetzt den beherzten Griff zur Schere – andere würden dadurch ihre komplette Blüte verlieren.
Warum dieser Monat so entscheidend ist
Bei Sträuchern und Rosen, die im Sommer ihre Pracht entfalten, wirkt der Spätwinterschnitt wie ein Verjüngungskur. Die Schnittwunden verheilen rasant, neue Triebe schießen hervor und tragen direkt die Blütenknospen. Ohne dichtes Blattwerk erkennt man abgestorbenes Holz, sich kreuzende Äste und nach innen wachsende Zweige mühelos.
Eine simple Faustregel entscheidet über Erfolg oder Misserfolg: Sommerblüher schneidet man jetzt, denn sie bilden ihre Blüten am diesjährigen Holz. Frühjahrsblüher hingegen tragen ihre Knospen bereits am vorjährigen Holz – ein Märzschnitt würde die Blüte regelrecht wegschneiden. Nach Mitte März sollte man ohnehin vorsichtig werden, um brütende Vögel nicht zu stören.
Diese Pflanzen brauchen jetzt unbedingt die Schere
Rosen sind die Stars des Märzschnitts. Sobald die Forsythien in der Nachbarschaft aufblühen, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen. Zuerst entfernt man krankes oder totes Holz, dann kürzt man die Haupttriebe über 3 bis 5 nach außen gerichteten Augen ein. Das öffnet die Mitte des Strauchs und lässt Luft zirkulieren. Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf Mehltau oder Rost – befallene Stellen gehören in den Hausmüll, niemals auf den Kompost.
Sommerblühende Clematis der Schnittgruppe 3 verlangen ebenfalls jetzt nach dem Rückschnitt. Alle Triebe werden auf 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden gekürzt. „Sie treiben danach unglaublich schnell wieder aus“, erklärt Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie Berlin gegenüber t-online. Dasselbe Prinzip gilt für Sommerflieder, Hibiskus, Oleander und Lagerströmien: Ein mutiger Schnitt löst eine Flut blühender Jungtriebe aus. Lavendel kommt mit einem Drittel-Rückschnitt Mitte März aus, ohne ins alte graue Holz einzudringen.
- Strauch- und Kletterrosen: Strukturschnitt plus Entfernung abgestorbener Äste
- Clematis Gruppe 3: Sämtliche Triebe auf 30-50 cm einkürzen
- Sommerblühende Gehölze (Buddleja, Hibiskus, Oleander, Lagerströmie): Auslichten und zurückschneiden
- Lavendel: Um ein Drittel kürzen für kompakten Wuchs
Obstgehölze, Winterblüher und kritische Fehler
Im Nutzgarten eignet sich der März zum Abschluss des Rebenschnitts und für Kernobst – natürlich nur bei frostfreiem Wetter. Man lichtet das Zentrum aus, entfernt sich kreuzende Äste und behält einige gut ausgerichtete Leitäste. Stachelbeeren profitieren von einem frühen Märzschnitt, da sie am vorjährigen Holz fruchten und junge Triebe für die Erneuerung brauchen.
Finger weg dagegen von Forsythien, Magnolien, Kamelien oder Rhododendren im März – sie tragen ihre Knospen bereits fertig ausgebildet. Erst nach der Blüte greift man zur Schere, genau wie bei Erika und Winterjasmin. Wer hier zu früh schneidet, schaut in die Röhre.










