Wenn der unsichtbare Jäger zuschlägt
Sie schweben im Flug vor den Bienenstöcken, warten auf das perfekte Opfer und verschwinden mit ihrer Beute. Für zahlreiche Imker in Frankreich verkörpert die Asiatische Hornisse mittlerweile den Albtraum eines jeden Sommers – ganze Bienenvölker können innerhalb weniger Wochen ausgelöscht werden.
Im französischen Südwesten erlebte Étienne Martin, ein Zeichner, der zum Hobbyimker wurde, wie seine eigenen Bienen trotz herkömmlicher Fallen eine nach der anderen starben. Statt aufzugeben, entwickelte er in seiner Werkstatt eine selbstgebaute Vorrichtung – den Hornet Trap’Er. Das Konzept dahinter? Hornissen einfangen, während andere Insekten ungehindert passieren können.
So entstand die revolutionäre Hornissenfalle
Seit ihrer Ankunft in Frankreich im Jahr 2004 hat sich diese aus Asien stammende Hornisse über weite Teile des Landes ausgebreitet. Rund um die Bienenstöcke positioniert sie sich wie ein Wachposten, schnappt sich die Sammlerinnen am Eingang und bringt durch anhaltenden Druck letztendlich die gesamte Kolonie zum Verhungern.
Durch intensive Beobachtung dieser Räuber bemerkte Étienne Martin etwas Entscheidendes: Die Hornissen wurden von bestimmten Hölzern und spezifischen Texturen magisch angezogen. Daraus entwickelte sich eine selektive Fangvorrichtung – konstruiert aus unbehandeltem Holz und wiederverwendeten Materialien. Sie lenkt die Hornisse in einen Käfig, während Bienen und andere Bestäuber keinerlei Interesse daran zeigen. Das Ziel bleibt glasklar: ausschließlich den Eindringling erwischen.
Genial einfach: So funktioniert der Hornet Trap’Er
Das System basiert auf einem Köder und einem Weg ohne Rückkehr. Eine süße oder proteinhaltige Mischung imitiert die bevorzugte Beute der Hornisse. Sie dringt durch kleine Öffnungen ein, die präzise auf ihre Körpergröße zugeschnitten sind. Einmal drinnen, landet das Insekt in einem Käfig, aus dem es den Ausgang nicht mehr findet – binnen 24 Stunden erschöpft es sich vollständig.
Imker, die diese Falle nutzen, schwören auf entscheidende Konstruktionsdetails:
- ein attraktiver Köder, der ausschließlich Hornissen anlockt
- Käfigöffnungen in ihrer Größe zugeschnitten, zu eng für Bienen
- ausreichend Volumen, um Dutzende Individuen gleichzeitig zu fangen
Zwischen August und November gelang es Étienne Martin, über 570 Hornissen rund um seine Bienenstöcke einzufangen. Imker wie Denis Jaffré aus Lot-et-Garonne berichten ebenfalls von einem deutlichen Rückgang der Angriffe nach Installation mehrerer solcher Vorrichtungen. Die Begeisterung ist so groß, dass eine Präsentation des Hornet Trap’Er beim renommierten Concours Lépine in Erwägung gezogen wird.
Selberbauen und mit anderen teilen
Eine weitere Besonderheit macht diese Erfindung einzigartig: Étienne Martin entschied sich für das Open-Source-Modell. Kein Patent, sondern kostenlos zugängliche Baupläne im Internet. Mit einigen Brettern aus unbehandeltem Holz, recycelten Plastikflaschen, einem Stück Metallgitter, wasserfestem Kleber und ein paar Schrauben kann jeder eine langlebige Falle konstruieren.
Diese wird in der Nähe der Bienenstöcke oder an Durchgangspunkten der Hornissen aufgehängt. Imkerverbände und das Institut zum Schutz der Bienen in Südfrankreich sehen darin einen vielversprechenden Ansatz zur Mobilisierung.
Von Mai bis Oktober installiert, regelmäßig kontrolliert und mit gemeinschaftlicher Überwachung kombiniert, sollen diese Fallen helfen, den Druck der Asiatischen Hornisse auf französische Bienenstöcke zu verringern. Den Bienen wieder Raum zum Atmen geben – das ist das erklärte Ziel dieser simplen, aber wirkungsvollen Innovation.










