Eine verfallene Herrschaft wird zum Traumgarten
Als Catherine Guévenoux und ihr Ehemann 1989 ein kleines Anwesen aus dem 18. Jahrhundert in Maizicourt im nördlichen Somme-Gebiet entdeckten, verliebten sie sich sofort. Der erschreckende Zustand der bröckelnden Mauern schreckte das Paar nicht ab – im Gegenteil. Als erfahrene Liebhaber historischer Bausubstanz war dies nicht ihr erstes Restaurierungsprojekt.
Das zugehörige Grundstück umfasste damals nur noch 1,8 Hektar. In ebenso desolatem Zustand wie das Gebäude selbst, verbarg es einige prächtige Bäume hinter dichtem Gestrüpp aus Brombeeren und Brennnesseln. Hunderte vom Wind verbreitete Bergahorne wucherten unkontrolliert. Kriege und Unwetter hatten ihren Tribut gefordert – vom ursprünglichen Park existierte keine Spur mehr.
Doppelte Herausforderung gemeistert
Natürlich hatte die Sanierung des Hauses zunächst Vorrang. Catherine übernahm die Bauleitung und begann gleichzeitig mit der Umgestaltung des Außengeländes. Anfangs war es alles andere als einfach: spöttische Blicke der Handwerker und skeptische Kommentare der benachbarten Landwirte begleiteten jeden Schritt.
Doch sie gab nicht auf. Ihre Beharrlichkeit zwang schließlich alle zum Respekt. Die Zweifler von gestern packten mit an – beim Pflügen, beim Beseitigen des Gestrüpps, beim Verbrennen der Abfälle. Ein beeindruckender Wandel der Einstellung!
Ihre Nachbarinnen entwickelten Begeisterung für das Projekt und brachten Ableger und Stecklinge vorbei. Diese traditionellen Bauerngartenpflanzen entsprachen genau Catherines Vorstellungen. „Ich bin weder Sammlerin noch Botanikerin und erhebe diesen Anspruch auch nicht“, betont sie. „Aber diese bewährten alten Sorten haben sich über Generationen hinweg bewiesen.“ Besonders die Holundersträuche, typisch für ländliche Hecken, haben es dem Ehepaar angetan – allerdings in verschiedenen Züchtungen kultiviert.
Licht und Farbe als Leitmotiv
Während Pflanzensammlungen Catherine nicht reizen, stehen Helligkeit und Farbenpracht im Mittelpunkt ihrer Gestaltung. Die verschiedenen Gartenbereiche, die über die Jahre entstanden, werden meist von einem dominierenden Farbthema bestimmt, das sich allerdings mit den Jahreszeiten wandeln kann.
Die Öffnung für Besucher im Jahr 1997 brachte neue Überlegungen mit sich. Bis dahin hatten sie einen rein privaten Garten geschaffen, dessen Höhepunkt eindeutig im Frühling lag. Während die Übergangsjahreszeiten Mai-Juni und September-Oktober überall die spektakulärsten Momente bieten, mussten sie neue Pflanzenkonzepte entwickeln für Hochsommer und Spätherbst. Das führte zur Anlage weiterer Gartenabschnitte.
Zumal die Fläche kontinuierlich wuchs: Nach und nach konnten benachbarte Grundstücke erworben werden. Das ursprüngliche Anwesen wurde rekonstruiert und überschreitet heute 10 Hektar, wovon Teile weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Doch selbst auf den Weiden finden sich inzwischen kleine Gruppen von Zierpflanzen – visuelle Wegweiser für Besucher.
Ständige Weiterentwicklung mit System
Jeder Entwicklungsschritt erforderte umfangreiche Vorarbeiten und wohlüberlegte Entscheidungen. Unerwünschte Bäume wurden kompromisslos entfernt, während erhaltene Exemplare behutsam ausgelichtet, neu geformt und regelmäßig beschnitten wurden.
Die Stechpalmen, die zu undurchdringlichem Dickicht verwildert waren, erhielten organische Formschnitte in zufälligen Formen – perfekt abgestimmt auf den ländlichen Charakter des Unterholzes. Auf ehemaligen Wiesenflächen entstanden neben Gemüse- und Obstgarten strukturierte Beete für lichtbedürftige Pflanzen.
Dieses lebendige Schöpfungswerk in permanenter Bewegung lässt niemanden gleichgültig. Die Anerkennung folgte in Form verschiedener Auszeichnungen und der offiziellen Klassifizierung als bemerkenswerter Garten. Jedes Jahr im Oktober findet eine lebhafte und herzliche Pflanzenbörse statt, bei der Gartenfreunde Inspiration und Material für eigene Projekte finden können.










