Wenn stachelige Überraschungen im Wintergarten auftauchen
Ein früher Morgen im Februar. Beim Gang zur Mülltonne oder zum Hühnerstall fällt plötzlich ein kleiner, stacheliger Rücken dicht über dem Boden auf. Sofort schießen Gedanken durch den Kopf: Winterschlaf, Kälte, Hunger. Doch was tun? Einfangen und ins Warme bringen oder doch besser in Ruhe lassen?
Eine Igelbegegnung mitten im Februar wirft Fragen auf. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass diese Tiere den gesamten Winter tief und fest schlafen, ohne ein einziges Mal aufzuwachen. Die Wahrheit sieht anders aus: Ihr Winterschlaf verläuft deutlich flexibler. Je nach Tageszeit, Verhalten und Zustand des Tieres kann die Situation völlig harmlos sein – oder ein ernsthaftes Problem signalisieren. Diese Details sind entscheidend.
Winteraktive Igel: Normalfall oder Notfall?
In Deutschland hält der Braunbrustigel normalerweise zwischen November und März Winterschlaf, sobald die Temperaturen unter 10 Grad Celsius fallen. In dieser Zeit verkriecht er sich in einem Nest aus Laub, versteckt in einer ruhigen Gartenecke oder unter einer Hecke. Dennoch kann er sich zwischendurch kurz aufwecken, um nach Nahrung zu suchen oder das Quartier zu wechseln, falls das erste nicht mehr komfortabel genug ist. Einen aktiven Igel im Dezember zu sehen, besonders in einer milderen Nacht, ist also durchaus normal.
Die eigentliche Frage lautet nicht „Ist er im Winter draußen?“, sondern „In welchem Zustand befindet er sich?“. Ein mageres Tier, das sich nur langsam fortbewegt, apathisch wirkt oder tagsüber herumirrt, hat wahrscheinlich ernsthafte Schwierigkeiten. Laut der British Hedgehog Preservation Society sollte ein Igel mindestens 500 bis 600 Gramm wiegen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Junge Igel, die im Spätherbst geboren wurden, sind besonders gefährdet. In solchen Fällen handelt es sich nicht mehr um ein kurzes Erwachen, sondern um eine echte Überlebensgefahr.
Igel im Garten entdeckt: Diese Schritte retten Leben
Zunächst gilt: Erst einige Minuten beobachten, dann handeln. Ein nachts aktiver Igel, der zügig unterwegs ist, sich bei Annäherung einrollt und eine gesunde Statur aufweist, braucht vermutlich keine Hilfe. Wenn er Blätter im Maul transportiert oder in einem Beet wühlt, justiert er möglicherweise nur sein Winternest. Am besten lässt man ihn in Ruhe und stört den Bereich nicht weiter.
Bestimmte Warnsignale erfordern jedoch schnelles Eingreifen:
- Das Tier wiegt offensichtlich unter 500 Gramm und wirkt unter den Stacheln sehr dünn
- Es läuft mitten am Tag herum, ohne erkennbaren Weg zu einem Unterschlupf
- Es ist verletzt, lethargisch, desorientiert oder zittert längere Zeit am selben Fleck
- Es irrt in Straßennähe oder auf gefrorenem Boden umher, ohne auf Ihre Anwesenheit zu reagieren
In solchen Situationen setzen Sie den Igel vorsichtig in einen Karton, gepolstert mit Tüchern, an einem ruhigen Ort bei Zimmertemperatur. Bieten Sie kein kaltes Wasser an. Der nächste Schritt: Kontaktieren Sie umgehend eine zugelassene Wildtier-Auffangstation oder einen befugten Tierarzt. Dieser wird Ihnen sagen, ob und wie Sie das Tier füttern können. Für ein noch kräftiges Tier, das lediglich Kalorien braucht, können Sie im Garten Futter bereitstellen – Katzenfutter oder Nassfutter – zusammen mit frischem Wasser. Niemals Milch, die sein Verdauungssystem nicht verträgt.
So schaffen Sie sichere Winterquartiere für stachelige Gartenbewohner
Um Notsituationen zu vermeiden und diesen kleinen Säugetieren beim Überwintern zu helfen, lässt sich der Garten einfach anpassen. Ein Winterschlaf-Unterschlupf ist schnell gebaut: Eine Holzkiste von etwa 30 x 40 Zentimetern mit einem längeren Eingangsgang, der Wind abhält, gefüllt mit trockenem Laub oder Heu, bietet einen perfekten Rückzugsort. Platzieren Sie sie in einer unauffälligen, trockenen Ecke, geschützt vor Zugluft, und lassen Sie sie die gesamte kalte Jahreszeit über unberührt.
Rundherum können einige Laub- oder Holzhaufen als natürliche Unterkünfte dienen. Verschieben Sie größere Aufräumarbeiten möglichst auf das Frühjahr. Verbrennen Sie niemals Laubhaufen, ohne sie gründlich zu untersuchen – viele Igel verstecken sich darin für den Winter. Reduzieren Sie auch den Einsatz von Pestiziden, die für Igel und andere Kleintiere im Garten hochgefährlich sind. Denken Sie daran: Es handelt sich um eine geschützte Tierart in Deutschland. Selbst wenn man sich schnell an einen geretteten Igel gewöhnt, ist es verboten, ihn als Haustier zu halten. Nur zugelassene Auffangstationen dürfen ihn langfristig pflegen.










