Wenn Sie plötzlich auf ein Kaninchennest stoßen
Stellen Sie sich vor: Sie wollen gerade den Rasenmäher starten, als Ihnen knapp über dem Boden ein kleines Fellbüschel zwischen trockenen Halmen auffällt. Bei genauerem Hinsehen bewegt sich etwas – winzige Öhrchen ragen hervor. Die Entdeckung eines Kaninchennests im eigenen Garten löst meist sofortiges Unbehagen aus. Was tun, ohne Schaden anzurichten?
Wildkaninchen wählen oft verblüffende Orte für ihren Nachwuchs: mitten auf der Rasenfläche, direkt am Strauchrand, manchmal nur einen Steinwurf von der Terrasse entfernt. Das Nest bleibt extrem unauffällig. Die Mutter kommt nur kurz zum Säugen vorbei.
Viele Gartenbesitzer glauben fälschlicherweise, die Jungtiere seien verlassen worden. Dabei genügen zwölf einfache Verhaltensweisen, um die kleinen Kaninchen zu schützen. Jetzt kommt es auf schnelles, richtiges Handeln an.
Das Nest erkennen und sofort Abstand wahren
Ein aktives Nest ähnelt einer flachen Mulde, die ins Erdreich gescharrt und mit trockenem Gras sowie Bauchfell der Mutter ausgekleidet wurde. Die Oberfläche ist mit einem dünnen „Deckel“ aus Halmen und Daunen bedeckt – fast unsichtbar, solange man nicht direkt darauf tritt.
Heben Sie diese Abdeckung vorsichtig mit zwei Fingern an, prüfen Sie kurz, ob zusammengekauerte Jungkaninchen darin liegen, und legen Sie die Tarnung sofort wieder auf. Treten Sie dann einige Schritte zurück und prägen Sie sich die Stelle genau ein.
Absolutes Verbot: Nicht darauf herumtrampeln, nicht dort spielen, keinesfalls den Hund frei laufen lassen. Wie eine erfahrene Gärtnerin treffend formuliert: „Probleme entstehen meistens, wenn Menschen mit guten Absichten versuchen zu helfen.“ Zeigen Sie das Nest Kindern einmal aus der Distanz, erklären Sie dann, dass es sich um Wildtiere handelt, die man nur beobachtet, ohne sie zu berühren.
Jungkaninchen vor Rasenmähern, Hunden und gutgemeinten Fehlern bewahren
Der erste Impuls vieler Menschen lautet: Die Babys „retten“ und ins Haus bringen. Großer Fehler: Solange sie warm sind, dicht aneinandergekuschelt liegen und einen prall gefüllten Bauch haben, versorgt die Mutter sie bereits – meist nur in der Dämmerung und im Morgengrauen.
Falls Sie das Nest versehentlich geöffnet haben, setzen Sie jedes Jungtier zurück in die Mitte, formen Sie die Mulde mit dem ursprünglichen Gras und Fell nach und decken Sie alles wie zuvor ab. Um zu kontrollieren, ob die Versorgung funktioniert, legen Sie einige sehr leichte Ästchen kreuzweise auf die Nestabdeckung.
Schauen Sie am nächsten Tag nach: Wurde das Muster verschoben, war die Mutter zum Säugen da. Halten Sie währenddessen Katzen im Haus, führen Sie Hunde an der Leine weiträumig um die Zone herum, mähen Sie keinesfalls in der Nähe und markieren Sie den Bereich großzügig, ohne überall zusätzliche auffällige Gegenstände zu platzieren.
Nest versetzen oder Hilfe holen – was Sie wissen müssen
Ein Nest darf nur bei unmittelbarer Gefahr umgesiedelt werden – etwa mitten auf einer Baustelle oder an einem extrem frequentierten Durchgang. Die Mutter orientiert sich auf den Meter genau und könnte ihre Jungen sonst nicht wiederfinden.
Wie die erfahrene Gärtnerin zusammenfasst: Ein großer Teil der Wildtierpflege besteht darin, „keinen Schaden anzurichten“. Rufen Sie vor jeder Umsiedlung eine Fachstelle an oder suchen Sie nach „Wildtier-Auffangstation in meiner Nähe“, um Rat einzuholen.
Greifen Sie nur ein, wenn die Jungkaninchen verletzt sind, frieren, mit Maden oder Fliegeneiern bedeckt sind, völlig apathisch wirken oder stundenlang ungeschützt im Freien liegen. In solchen Fällen setzen Sie sie ruhig in einen gelochten Karton, geben Sie ihnen weder Futter noch Kuhmilch und befolgen Sie die Anweisungen eines Fachmanns.
Junge Kaninchen verlassen das Nest nach etwa drei Wochen. Innerhalb weniger Tage gehört Ihr Rasen wieder ganz Ihnen.










