Ein winziges Loch im Zaun – eine Rettungsaktion für bedrohte Igel
Was zunächst merkwürdig klingt, ist ernst gemeint: Der WWF UK fordert britische Gartenbesitzer auf, ihre Zäune anzubohren. Der Grund? Ein simples Loch könnte Igelleben retten. Die Organisation bittet Hausbesitzer, aus ihren dichten Zäunen kleine Durchgänge für Wildtiere zu schaffen – genauer gesagt für Igel, die im Vereinigten Königreich immer seltener werden.
Hinter diesem Aufruf steckt dramatische Dringlichkeit. Laut WalesOnline sind die Igelpopulationen in Großbritannien seit 1995 um mehr als 65 Prozent eingebrochen. Mittlerweile gilt die Art als gefährdet. Für die Naturschutzorganisation kann ein winziges Loch im Gartenzaun buchstäblich den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Die „Igel-Autobahn“: WWFs überraschender Plan für vernetzte Gärten
Auf Facebook wählte der WWF UK einen lockeren Ton für ein ernstes Thema. Die Botschaft lautet: „Niemand stellt einen Igel in die Ecke. Schaffen Sie eine Igel-Autobahn in Ihrem Garten, indem Sie kleine Öffnungen (13 x 13 cm) anlegen – damit helfen Sie diesen nachtaktiven Säugetieren, die beste Zeit ihres Lebens zu haben. (Psst: Vergessen Sie nicht, vorher mit Ihren Nachbarn zu sprechen!)“ So entsteht eine Hedgehog Highway zwischen benachbarten Grundstücken.
Die Organisation erklärt auch, weshalb diese Durchgänge so entscheidend sind: „Gärten bieten Igeln einen wirklich wichtigen Lebensraum. Wenn sie sich weiter entlang einer sicheren Garten-Autobahn bewegen können, haben sie bessere Überlebenschancen. Ihre Anzahl sinkt weiterhin – deshalb ist unsere Hilfe so wichtig.“ Eine klare Verbindung: Ein simples 13-Zentimeter-Quadrat kann eine emblematische Tierart vor dem Verschwinden bewahren.
13 Zentimeter Freiraum: Minimaler Aufwand, maximale Wirkung
Igel legen pro Nacht bis zu zwei Kilometer zurück – auf der Suche nach Futter, Unterschlupf oder Partnern. Doch städtische Gärten mit ihren geschlossenen Zäunen bilden heute ein schwer überwindbares Labyrinth. Der WWF UK formuliert die Herausforderung so: „Wenn es wärmer wird und diese wunderbaren kleinen Wanderer nach dem Winterschlaf wieder auftauchen, könnten sie in Ihrer Nachbarschaft erscheinen. Ihre Aufgabe, falls Sie einen Garten haben, ist es, ihn zum Teil einer Igel-Autobahn zu machen – mit einem Loch etwa in der Größe einer CD-Hülle am unteren Rand Ihres Zauns.“
Die Anweisung ist präzise: Ein Quadrat von 13 x 13 Zentimetern am Boden des Gartenzauns, groß wie ein CD-Cover. Ausreichend für einen Igel, zu klein für Hunde oder Menschen – dieses Format beruhigt auch Eigentümer, die sich um Sicherheit oder Optik sorgen. Der WWF UK liefert ein weiteres Argument für Gartenfreunde: „Sie fressen oft Wirbellose, die Gärtner als Schädlinge betrachten – sie könnten Ihre Freundlichkeit also erwidern.“ Ein durchreisender Igel wird zum natürlichen Verbündeten gegen Schnecken und lästige Insekten.
Igelfreundliche Gartengestaltung: Kleine Schritte mit großer Bedeutung
Neben dem Durchgang empfiehlt die Organisation, die Gartenpflege leicht anzupassen. Eine etwas verwilderte Ecke mit hohem Gras, Laub- oder Holzhaufen bietet wertvolle Unterschlüpfe und Nistmaterial für Igel. Eine flache Wasserstelle – etwa eine Schale oder ein Teich mit sanft abfallenden Rändern – hilft ihnen im Sommer beim Trinken. Weniger Pestizide und Schneckenkorn reduzieren das Vergiftungsrisiko erheblich.
In ähnlicher Weise erinnert die RSPB daran, dass Winterfütterung von Gartenvögeln private Flächen zu echten Biodiversitäts-Refugien macht. Im Vereinigten Königreich ruft der WWF Nachbarn ausdrücklich zur Zusammenarbeit auf: Mehrere verknüpfte Grundstücke verlängern die „Autobahn“ und erhöhen die Überlebenschancen der Tiere drastisch, da sie keine gefährlichen Straßen überqueren müssen.
Auch deutsche Gartenbesitzer können dieses Prinzip problemlos übernehmen – viele haben ähnlich dichte Zäune. Eine CD-Hülle als Schablone, wenige Minuten Handwerksarbeit, eine freundliche Absprache mit dem Nachbarn: Für diese bedrohten Säugetiere ist dieser schlichte Garten-Trick tatsächlich lebensrettend.










