Wenn die Atmung fast zum Stillstand kommt
Stellen Sie sich vor: Sie entdecken in Ihrem Garten einen völlig regungslosen Igel. Ihr erster Gedanke? Das Tier könnte in Gefahr sein oder bereits tot. Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus – was Sie beobachten, ist ein faszinierendes Naturphänomen.
Dieser scheinbar leblose Zustand ist keineswegs alarmierend. Im Gegenteil: Es handelt sich um ein vollkommen natürliches Verhalten, das für das Überleben dieser stacheligen Gartenbesucher entscheidend ist.
Das erstaunliche Geheimnis der Winterruhe
Sobald die Temperaturen unter 10 Grad Celsius fallen und das Nahrungsangebot knapp wird, bereitet sich der Igel auf seinen Winterschlaf vor. Seine Aktivitäten verlangsamen sich dramatisch, während er nach einem geeigneten Unterschlupf sucht.
Als perfektes Winterquartier dienen Hecken, Holzstapel oder sogar verlassene Kaninchenbauten. Dort richtet sich das Tier ein gemütliches Nest aus Laub und Gras ein – ein überlebenswichtiger Rückzugsort für die kalten Monate.
Körperfunktionen auf Sparflamme
Während der Winterruhe versetzt sich der Igel in einen Zustand der Torpor. Seine Herzfrequenz und Atmung verlangsamen sich so stark, dass zwischen zwei Atemzügen mehrere Minuten vergehen können. Genau dieser Zustand lässt das Tier leblos erscheinen.
In dieser Phase nimmt der Igel keinerlei Nahrung zu sich. Er lebt ausschließlich von den Fettreserven, die er seit Ende des Sommers aufgebaut hat. Dabei kann er bis zu 30 Prozent seines Körpergewichts verlieren, bevor der Frühling zurückkehrt.
Wichtige Erkenntnis: Winterschlaf ist kein Dauerzustand
Viele Menschen glauben, der Winterschlaf sei ein monatelanger, ununterbrochener Schlaf. Das stimmt jedoch nicht. Igel wachen zwischendurch auf, um ihre Position zu wechseln oder sich neu zu orientieren.
Regungsloser Igel entdeckt – so reagieren Sie richtig
Was tun, wenn Sie einen bewegungslosen Igel in Ihrem Garten finden? Die wichtigste Regel lautet: Nicht ohne triftigen Grund stören. In den meisten Fällen hält das Tier einfach seinen natürlichen Winterschlaf.
Es gibt allerdings Situationen, die Ihr Eingreifen erfordern. Liegt der Igel in der prallen Sonne, im Luftzug oder wirkt er geschwächt, sollten Sie handeln. Setzen Sie das Tier vorsichtig in einen Karton und legen Sie eine milde Wärmequelle wie eine Wärmflasche dazu.
Kontaktieren Sie anschließend ein Wildtier-Pflegezentrum oder den Wildtier-Notdienst. Diese Experten können beurteilen, ob das Tier tatsächlich Hilfe benötigt.
Die Gefahr vorschnellen Handelns
Während Sommer und Herbst frisst sich der Igel Fettreserven an – bis zu 200 Gramm Nahrung pro Nacht! Ist er zu mager, krank oder wird er zu oft gestört, fehlen ihm die lebensnotwendigen Reserven.
Wecken Sie einen Igel vorzeitig aus dem Winterschlaf, kann das seine Energiereserven erschöpfen und seine Überlebenschancen drastisch senken. Dennoch können gezielte Rettungsmaßnahmen in Notfällen absolut lebensrettend sein.
Ganzjährige Unterstützung für stachelige Gartenhelfer
Mit einfachen Maßnahmen können Sie das ganze Jahr über zum Schutz der Igel beitragen. Verzichten Sie auf chemische Produkte in Ihrem Garten – besonders Schneckenkorn kann für Igel tödlich sein.
Schaffen Sie Durchgänge in Zäunen, damit die Tiere nicht eingesperrt werden. Legen Sie an verschiedenen Stellen Zweige, Laub und Holzscheite aus, damit Igel ihre Nester bauen und Schutz finden können.
Wasserquellen richtig anlegen
Kleine Teiche oder Wasserschalen sind ideal, damit Igel trinken können. Wichtig: Legen Sie ein Brett hinein oder gestalten Sie einen flachen Zugang, um Ertrinkungsgefahren zu vermeiden.
Diese Maßnahmen mögen klein erscheinen, doch sie machen einen gewaltigen Unterschied. Der Igel gilt heute als Tierart der Vorwarnliste und benötigt unseren aktiven Schutz, um langfristig zu überleben.









