Massiver Abschuss geplant: Warum 450.000 Streifenkäuze sterben sollen

Umstrittener Plan sorgt für Aufruhr in den USA

Eine Entscheidung von beispiellosem Ausmaß erschüttert derzeit die Vereinigten Staaten. Rund 450.000 Streifenkäuze sollen in den kommenden Jahrzehnten getötet werden – ein drastischer Schritt, der eine andere, vom Aussterben bedrohte Eulenart retten soll. Der vom U.S. Fish and Wildlife Service (USFWS) vorgestellte Plan löst heftige Debatten aus.

Umweltschützer, Ökologen und weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit reagieren mit scharfer Kritik. Zwischen wissenschaftlicher Notwendigkeit und politischer Brisanz entbrennt ein Konflikt, der die Behörden in eine heikle Lage bringt.

Drastische Maßnahme zum Schutz der Fleckenkauz-Population

Hinter diesem außergewöhnlichen Vorhaben steckt ein ehrgeiziges Ziel: Die Rettung des Nördlichen Fleckenkauzes (Strix occidentalis caurina). Dieser nachtaktive Greifvogel bewohnt die alten Wälder im pazifischen Nordwesten – in Washington, Oregon und Kalifornien. Seit Jahren gilt die Art als bedroht und steht unter dem Schutz amerikanischer Artenschutzgesetze.

Wissenschaftler haben einen Hauptschuldigen für den dramatischen Rückgang identifiziert: den Streifenkauz (Strix varia). Ursprünglich im Osten der USA beheimatet, hat sich diese Art stetig westwärts ausgebreitet – vermutlich begünstigt durch menschliche Eingriffe in die Landschaft.

Der Streifenkauz bringt entscheidende Vorteile mit: Er ist größer, aggressiver und anpassungsfähiger als sein Verwandter. Er produziert mehr Nachkommen und verdrängt den Fleckenkauz systematisch von seinen Brutplätzen und Nahrungsquellen. Laut USFWS-Dokumenten ist genau dieser Konkurrenzdruck die Hauptursache für das rapide Verschwinden des Fleckenkauzes in bestimmten Regionen.

Tötungsprogramm über drei Jahrzehnte hinweg

Die geplante Strategie klingt radikal: Über einen Zeitraum von 30 Jahren sollen etwa 450.000 Streifenkäuze geschossen werden. Der Fokus liegt dabei auf den Populationen an der Westküste.

So schockierend diese Methode erscheint – völlig neu ist sie nicht. Zwischen 2013 und 2021 führte der USFWS bereits Pilotprojekte zum gezielten Abschuss von Streifenkäuzen durch. Die Behörde bewertet die Ergebnisse als teilweise erfolgreich: Lokal konnte der Konkurrenzdruck tatsächlich reduziert werden.

Die Grundidee des Plans ist klar umrissen: Durch drastische Reduzierung der Streifenkauz-Bestände soll dem bedrohten Fleckenkauz die Chance gegeben werden, sich in Teilen seines historischen Verbreitungsgebiets wieder zu erholen.

Behörden in der Zwickmühle – Ökologen gespalten

Tierschutzorganisationen laufen Sturm gegen das Projekt. Doch interessanterweise stoßen sie dabei ausgerechnet auf Widerstand von Ökologen. Tom Wheeler, Direktor des Environmental Protection Information Center (EPIC), gibt die schwierige Position offen zu.

„Das versetzt uns, das muss man zugeben, in eine peinliche Lage“, räumt Wheeler ein. Gleichzeitig betont er: „Unser Eintreten für die Beseitigung des Streifenkauzes basiert nicht darauf, den Nördlichen Fleckenkauz als Instrument gegen die Holzindustrie einzusetzen. Was wir versuchen, ist das dauerhafte Überleben der Art zu sichern.“

Mehrere Gruppen befürworten den Eliminierungsplan für 450.000 Streifenkäuze. Zu den Unterstützern zählen verschiedene indianische Stämme sowie Holzfäller. Für Letztere hat das Überleben des Fleckenkauzes direkte Auswirkungen auf die Nutzung öffentlicher Wälder.

Die Kontroverse zeigt eindrücklich: Wenn Artenschutz auf Artenschutz trifft, gibt es keine einfachen Antworten mehr.

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