Guerilla-Garten auf Brachland: Was Gemüse-Besetzer wirklich riskieren

Verlassenes Grundstück wird zum lebendigen Gemüsegarten

Auf dem Gelände ehemaliger Familiengärten in den Prés-de-Vidy, das nach einer Räumung verwaist zurückblieb, haben junge Menschen eine ungewöhnliche Initiative gestartet. Als selbstorganisiertes Kollektiv verwandelten sie die Brache in einen blühenden Gemüsegarten – mit Radieschen, Kohl, Zwiebeln und Feigen.

Diese Besetzung erfolgte ohne offizielle Genehmigung. Doch hier geht es ausschließlich um Landwirtschaft und Ökologie, nicht um politische Statements.

Selbstverwalteter Anbau auf städtischem Boden

Das besetzte Areal liegt genau dort, wo das zukünftige Stadion von Lausanne im Rahmen des Métamorphose-Projekts entstehen soll. Die alten Gartenhütten der früheren Pächter wurden bereits geräumt, einige sogar per Helikopter abtransportiert.

Seitdem lag das Grundstück brach – bis das Kollektiv Bourdache vor anderthalb Monaten still und leise die Fläche in Beschlag nahm. „Im Grunde ist es eine Art Gemüsegarten-Besetzung“, erklärt ein Mitglied gegenüber der Schweizer Zeitung Le Temps.

Zwischen Salaten, Weißkohl, Zwiebeln, Kartoffeln und Radieschen hat sich die Biodiversität zurückerobert, was ihr rechtmäßig zusteht.

Solidarische Ernten mit symbolischem Wert

Die Aktivisten verkaufen ihre Gemüsekörbe für wenige Franken an Anwohner des Viertels. „Gerade genug, um Saatgut und Werkzeug zu finanzieren“, so eine Gärtnerin, die unter brennender Sonne ihre Beete pflegt.

Rund um die kultivierten Parzellen entwickelt sich die Natur frei: Blumen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Rosmarin und Himbeeren gedeihen wild. Auch Feigen und Kiwis tragen Früchte.

Die größte Herausforderung bleibt der Wassermangel. Verstärkt durch Trockenheit und ein defektes Bewässerungssystem kämpfen die Pflanzen ums Überleben.

Städtische Duldung – vorerst ohne Konsequenzen

Per Brief informierte das Kollektiv die Stadtverwaltung Lausanne über ihr Vorhaben. Bislang ist keine Räumung geplant.

„Wir werden wegen drei Tomaten und vier Kohlköpfen keine politische Affäre inszenieren“, kommentiert Olivier Français, Stadtrat für öffentliche Arbeiten, gelassen.

Allerdings beginnen ab kommendem Frühjahr auf diesem geschichtsträchtigen Gelände archäologische Grabungen. Das Areal birgt bedeutende römische Ruinen.

Diese Baumaßnahmen werden zur Zerstörung der bestehenden Strukturen führen – und damit auch das Ende dieses temporären Gartenprojekts besiegeln.

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