Warum ein vergessener Eimer zur tödlichen Falle wird
Ein Eimer unter der Regenrinne, ein alter Behälter neben dem Gartenhaus, ein dekoratives Wasserbecken – im Winter wirken solche Wasserstellen im ruhenden Garten völlig harmlos. Doch für den Europäischen Igel, der nachts zwischen Beeten und Terrassen unterwegs ist, verwandeln sie sich in tödliche Fallen. Besonders brisant: Die Art steht seit 2024 auf der Roten Liste der IUCN als bedroht.
Vertrieben aus ländlichen Gebieten, ziehen sich viele Igel in städtische und stadtnahe Gärten zurück. Dort halten sie phasenweise Winterschlaf, erwachen bei milderen Temperaturen zum Trinken und zur Futtersuche – und können dabei bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. In diesem geschwächten Zustand kann bereits ein kurzer Kontakt mit eiskaltem Wasser fatal enden. Ein winziges Detail am Wasserrand entscheidet über Leben und Tod.
Die unterschätzte Gefahr winterlicher Wasserstellen im Garten
Anders als viele denken, schlafen Igel im Winter nicht durchgehend. Zwischen Herbst und Frühling wachen sie mehrmals auf. Nachts durchstreifen sie Gärten und stoßen auf Eimer, Becken, Pools und Regentonnen. Sobald sie in einen Behälter mit glatten Wänden fallen, gibt es kein Entkommen mehr – sie schwimmen, drehen sich im Kreis, erschöpfen sich, kühlen aus, und schließlich tritt lautlos das Ertrinken ein. In Städten endet bereits etwa ein Viertel aller Igel unter Autoreifen. Jeder vermeidbare Ertrinkungstod wiegt daher schwer für diese seit 1981 geschützte Art.
Zunächst sollten Sie Ihren Garten durchgehen und alle potenziellen Wasserfallen identifizieren:
- Eimer und Wannen unter Regenrinnen
- Schubkarren oder große Töpfe voller Regenwasser
- offene Regenwassersammler
- Zierbecken und Schwimmbäder
Der schwimmende Korken als lebensrettendes Mini-Floß
Die Lösung steckt in einem unscheinbaren Gegenstand: einem simplen Weinkorken, der an der Wasseroberfläche treibt. Dieser kleine Zylinder bleibt dauerhaft oben, bietet den winzigen Krallen des Igels Halt und dient als Stützpunkt zum Ausruhen, bevor er das Ufer erreicht. Für einen Eimer oder flachen Behälter genügen oft ein bis zwei natürliche Korken als Rettungsbojen.
Bei tieferen Gefäßen funktioniert ein cleverer Trick: Fädeln Sie mehrere Korken auf eine Gartenschnur oder Baumwollfaden und knoten Sie diese kleine schwimmende Kette so fest, dass ein Ende den Rand oder Henkel berührt. Der Igel kann sich daran festhalten und hochklettern. Experten empfehlen zusätzlich, ein Brett oder einen Ast schräg ins Wasser zu legen, das bis zum Ufer reicht – eine echte Ausstiegsrampe, unverzichtbar bei Pools oder großen Becken. Der Korken bleibt dabei eine wertvolle Ergänzung.
Einfache Gewohnheiten verwandeln Ihren Garten in ein Winterrefugium
Über den rettenden Korken hinaus machen ein paar Routinen aus jedem Außenbereich einen sicheren Winterunterschlupf. Entleeren Sie unnötige Eimer, decken Sie Wassersammler ab und stellen Sie Trinkwasser in sehr flachen Schalen bereit. Eine wilde Gartenecke mit einem Haufen trockener Blätter und Ästen bietet idealen Schutz – Beobachtungen zeigen, dass etwa sechs von zehn Igeln einen zu feuchten Unterschlupf verlassen, mit dem Risiko einer Unterkühlung. Manche Gartenbesitzer gehen weiter und richten zwei kleine Häuschen ein: „Ein Unterschlupf dient für Futter und Wasser, der andere ist isoliert zum Schlafen“, erzählte eine junge Freiwillige.
Igel legen pro Nacht vier bis sechs Kilometer zurück und besuchen bis zu 16 Gärten. Eine Öffnung von 13 mal 13 Zentimetern am Zaunfuß schafft einen echten ökologischen Korridor und reduziert gefährliche Straßenüberquerungen. Falls Sie im Winter einen abgemagerten Igel antreffen, der tagsüber aktiv ist oder durchnässt bei einer Wasserstelle steht, empfehlen Fachleute eine Schale frisches Wasser und etwas Katzen- oder Hundetrockenfutter ohne Fisch und Milch anzubieten. Kontaktieren Sie anschließend eine Wildtierauffangstation. Ein Gartenrundgang, ein paar Korken im Wasser und kleine Durchgänge zu den Nachbarn – manchmal reicht das für einen friedlichen Winter.










